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	<title>Grüne Grundsicherungsdebatte &#187; Allgemein</title>
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	<description>Ein Diskussionsblog der Grünen Baden-Württemberg</description>
	<lastBuildDate>Sat, 02 Jan 2010 23:18:42 +0000</lastBuildDate>
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		<title>&#220;ber 40% f&#252;rs gr&#252;ne Grundeinkommen (Update 2)</title>
		<link>http://www.grundsicherung-bw.de/2007/11/25/ueber-40-fuers-gruene-grundeinkommen/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Nov 2007 18:33:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Till Westermayer (Administration, KV Breisgau-Hochschwarzwald)</dc:creator>
				<category><![CDATA[03 Antragsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Statement]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Parteitag ist vorbei, Z-02 f&#252;r das Sockelgrundeinkommen bekam etwas &#252;ber 40%, der &#8212; deutlich aufgeweichte Leitantrag des BuVos in Richtung Grundsicherung/Hartz+ knapp 60% &#8211;, aber statt das hier ausf&#252;hrlich zu kommentieren, verweise ich zum einen auf tagesschau.de:
Die Mehrheit der Delegierten stimmte f&#252;r den Antrag des Bundesvorstandes zu einer &#8220;sozialen Grundsicherung&#8221;. Doch auch das konkurrierende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Parteitag ist vorbei, Z-02 f&#252;r das Sockelgrundeinkommen bekam etwas &#252;ber 40%, der &#8212; deutlich aufgeweichte Leitantrag des BuVos in Richtung Grundsicherung/Hartz+ knapp 60% &#8211;, aber statt das hier ausf&#252;hrlich zu kommentieren, verweise ich zum einen auf <a href="http://www.tagesschau.de/inland/gruene64.html">tagesschau.de</a>:<br />
<blockquote>Die Mehrheit der Delegierten stimmte f&#252;r den Antrag des Bundesvorstandes zu einer &#8220;sozialen Grundsicherung&#8221;. Doch auch das konkurrierende Konzept eines Grundeinkommens f&#252;r alle B&#252;rger gewann satte 40 Prozent der Stimmen, so dass dessen Bef&#252;rworter ebenfalls mehr als zufrieden waren – nach dem Motto: Mehr konnte man nicht erwarten. Beide Lager hatten damit ihr Gesicht gewahrt.</p>
<p>&#8220;H&#228;tten wir zehn Prozent mehr gehabt, w&#228;re das ein Gau geworden&#8221;, sagt die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, die sich vehement f&#252;r das Grundeinkommen eingesetzt hatte. Die Parteif&#252;hrung habe man damit nicht in die Krise st&#252;rzen, aber auch den Antrag zu Gunsten des Parteifriedens nicht zur&#252;ckziehen wollen. Das war das Dilemma vorab. Einige &#228;ngstliche Strippenzieher hatten noch am Vorabend der Entscheidung versucht, einen R&#252;ckzug des Antrags zu erreichen. Denn allen, Basis wie Spitze, war bewusst: Ein erneuter Eklat der streitbaren Partei h&#228;tte ihnen in der &#214;ffentlichkeit geschadet. Und erneut w&#228;re ein politisches Thema mit der F&#252;hrungsfrage der Partei verkn&#252;pft worden.</p></blockquote>
<p>Zum anderen haben sich nat&#252;rlich schon diverse gr&#252;ne Blogs und Blogger damit besch&#228;ftigt, das Ergebnis zu kommentieren. Aus Baden-W&#252;rttemberg habe ich was bei <a href="http://www.henningschuerig.de/blog/2007/11/24/erstmal-kein-grundeinkommen/">Henning Sch&#252;rig</a>, bei <a href="http://www.gruenesfreiburg.de/2007/11/24/grundsicherung-statt-grundeinkommen/">Gr&#252;nesFreiburg</a> und bei <a href="http://www.entwicklungspotenziale.de/?p=60">Dirk Werhahn</a> gefunden. Also da nachlesen und kommentieren!</p>
<p><b>Update:</b> Und diverse Video-Interview bei BDK-Interaktiv: <a href="http://www.bdk-interaktiv.de/bdk_news.html?&#038;no_cache=1&#038;tx_ttnews[cat]=2&#038;tx_ttnews[tt_news]=105&#038;tx_ttnews[backPid]=27&#038;cHash=c4d2cffb98">Boris Palmer</a> und <a href="http://www.bdk-interaktiv.de/bdk_news.html?&#038;no_cache=1&#038;tx_ttnews[cat]=2&#038;tx_ttnews[tt_news]=106&#038;tx_ttnews[backPid]=27&#038;cHash=df97ea771f">Thomas Poreski</a> (<a href="http://www.bdk-interaktiv.de/bdk_news.html?&#038;no_cache=1&#038;tx_ttnews[cat]=2&#038;tx_ttnews[tt_news]=75&#038;tx_ttnews[pointer]=1&#038;tx_ttnews[backPid]=27&#038;cHash=937026562e">und sein Redebeitrag</a>) sowie ein Mitschnitt der Einbringungsrede von <a href="http://www.bdk-interaktiv.de/bdk_news.html?&#038;no_cache=1&#038;tx_ttnews[cat]=2&#038;tx_ttnews[tt_news]=78&#038;tx_ttnews[backPid]=27&#038;cHash=48a03b0c90">Beate M&#252;ller-Gemmeke</a> und des Redebeitrags von <a href="http://www.bdk-interaktiv.de/bdk_news.html?&#038;no_cache=1&#038;tx_ttnews[cat]=2&#038;tx_ttnews[tt_news]=76&#038;tx_ttnews[pointer]=1&#038;tx_ttnews[backPid]=27&#038;cHash=474ab5a2da">Sylvia Kotting-Uhl</a>. </p>
<p><b>Update 2:</b> Der modifizierte <a href="http://www.gruene.de/cms/partei/dokbin/207/207470.aufbruch_zu_neuer_gerechtigkeit.pdf">Grundsicherungsbeschluss</a> (pdf) ist inzwischen auch online. Falls jemand sich ein eigenes Urteil bilden m&#246;chte.</p>
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		<title>Antr&#228;ge zum Grundeinkommen/Grundsicherung</title>
		<link>http://www.grundsicherung-bw.de/2007/11/15/antraege-zum-grundeinkommengrundsicherung/</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Nov 2007 22:45:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Werhahn (KV Ludwigsburg)</dc:creator>
				<category><![CDATA[03 Antragsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Information]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.grundsicherung-bw.de/2007/11/15/antraege-zum-grundeinkommengrundsicherung/</guid>
		<description><![CDATA[Als Unterst&#252;tzer der Grundeinkommenskonzepte, bin ich mehr denn je der Auffassung, dass es uns auf der BDK in N&#252;rnberg gelingen muss, eine klare Richtungsentscheidung f&#252;r das Grundeinkommen herbeizuf&#252;hren. 
Um die vorliegenden Antr&#228;ge besser vergleichen zu k&#246;nnen, habe ich eine Synopse der Antr&#228;ge erstellt. 
Nach wie vor halte ich den Antrag Grundeinkommen LDK Baden- W&#252;rttemberg Z-02 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als <a href="http://www.entwicklungspotenziale.de/?p=47">Unterst&#252;tzer der Grundeinkommenskonzepte</a>, bin ich mehr denn je der Auffassung, dass es uns auf der BDK in N&#252;rnberg gelingen muss, eine klare <strong>Richtungsentscheidung f&#252;r das Grundeinkommen </strong>herbeizuf&#252;hren. </p>
<p>Um die vorliegenden Antr&#228;ge besser vergleichen zu k&#246;nnen, habe ich eine <a href='http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/11/vergleich-antrage-01.pdf' title='Synopse Antr&#228;ge'>Synopse der Antr&#228;ge</a> erstellt. </p>
<p>Nach wie vor halte ich den Antrag Grundeinkommen LDK Baden- W&#252;rttemberg Z-02 f&#252;r den Antrag, der sowohl den Wunsch nach stigmatisierungsfreier Gerechtigkeit und den Wunsch der Grundsicherungsbef&#252;rworterInnen nach Machbarkeit zusammen bringt. Deshalb sehe ich den LaVo  Baden-W&#252;rttemberg in der Pflicht, auch gegen Widerst&#228;nde f&#252;r den BaW&#252;-Antrag zu k&#228;mpfen, damit eine kluge, durchgerechnete und vision&#228;re Konzeption unsere zuk&#252;nftige Sozialpolitik mit bestimmt.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Parteimitglieder d&#252;rfen jetzt auch bundesweit diskutieren</title>
		<link>http://www.grundsicherung-bw.de/2007/11/14/parteimitglieder-duerfen-jetzt-auch-bundesweit-diskutieren/</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Nov 2007 11:31:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Till Westermayer (Administration, KV Breisgau-Hochschwarzwald)</dc:creator>
				<category><![CDATA[03 Antragsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Mitteilung]]></category>

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		<description><![CDATA[Genau: gerade eben ist n&#228;mlich &#8212; zehn Tage vor dem Bundesparteitag &#8212; ein partei-internes Blog gestartet worden. Lesen d&#252;rfen die Debatte um die Zukunft der sozialen Sicherung alle, kommentieren nur Parteimitglieder, die sich vorher registieren lassen m&#252;ssen.
Den Auftakt machen zwei Statements von Thomas Poreski (pro Grundeinkommen) und Sven Giegold (contra Grundeinkommen). 
Ich bin ja mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Genau: gerade eben ist n&#228;mlich &#8212; zehn Tage vor dem <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/2007/10/19/bundesweit-gehts-weiter/">Bundesparteitag</a> &#8212; ein partei-internes Blog gestartet worden. Lesen d&#252;rfen die <a href="http://soziales.gruene.de/">Debatte um die Zukunft der sozialen Sicherung</a> alle, kommentieren nur Parteimitglieder, die sich vorher registieren lassen m&#252;ssen.</p>
<p>Den Auftakt machen <a href="http://soziales.gruene.de/?p=3">zwei Statements</a> von Thomas Poreski (pro Grundeinkommen) und Sven Giegold (contra Grundeinkommen). </p>
<p>Ich bin ja mal gespannt, ob da mehr als hier diskutiert und geschrieben wird. Meine etwas pessimistische Prognose: angesichts der knappen Zeit und der relativ hohen Teilnahmeh&#252;rden eher nicht. Wichtig w&#228;r&#8217;s ja schon &#8212; ich lasse mich also gerne vom Gegenteil &#252;berzeugen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Spiegel v&#246;llig schwerelos</title>
		<link>http://www.grundsicherung-bw.de/2007/11/07/spiegel-voellig-schwerelos/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Nov 2007 09:15:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Beate Müller-Gemmeke (Landesvorstand, KV Reutlingen)</dc:creator>
				<category><![CDATA[03 Antragsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Statement]]></category>

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		<description><![CDATA[Leserbrief zum Artikel &#8220;Ankunft auf dem Mars. Die sozialpolitischen Illusionen der Gr&#252;nen&#8221; in DER SPIEGEL, Nr. 45/2007 (Artikel nicht online)
Als Antragstellerin des zitierten Antrags aus Baden-W&#252;rttemberg zum Grundeinkommen kann ich den Artikel von Dirk Kurbjuweit nur als niveaulos bezeichnen und attestiere meinerseits dem Autoren seine „Ankunft auf dem Mars“. Erwartet h&#228;tte ich von einem seri&#246;sen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><i>Leserbrief zum Artikel &#8220;Ankunft auf dem Mars. Die sozialpolitischen Illusionen der Gr&#252;nen&#8221; in DER SPIEGEL, Nr. 45/2007 (Artikel nicht online)</i></p>
<p>Als Antragstellerin des zitierten Antrags aus Baden-W&#252;rttemberg zum Grundeinkommen kann ich den Artikel von Dirk Kurbjuweit nur als niveaulos bezeichnen und attestiere meinerseits dem Autoren seine „Ankunft auf dem Mars“. Erwartet h&#228;tte ich von einem seri&#246;sen Nachrichtenmagazin kritische und gehaltvolle Fragen und vor allem die Einordnung des Themas in die soziale Realit&#228;t in unserer Gesellschaft. Stattdessen wurde – wenn &#252;berhaupt &#8211; schlecht recherchiert, Inhalte falsch wiedergegeben und statt des Themas „Zukunft der sozialen Sicherung“ findet man populistische Ausf&#252;hrungen &#252;ber vermeintlich gr&#252;ne Personalfragen. 2,2 Millionen Kinder leben in Deutschland in Armut. Die Angst vor dem sozialen Abstieg reicht bis tief in die Mitte der Gesellschaft &#8211; prek&#228;re L&#246;hne, Langzeitarbeitslosigkeit und ein Arbeitslosengeld II unter dem Existenzminimum – kennzeichnen f&#252;r viele die soziale Realit&#228;t. B&#220;NDNIS 90/DIE GR&#220;NEN greifen die dazu in der Gesellschaft stattfindenden Diskussionen auf und nehmen diese ernst. &#220;ber L&#246;sungsm&#246;glichkeiten f&#252;hren wir eine engagierte und kontroverse Diskussion. Dirk Kurbjuweit hingegen widmet dem allen kein einziges Wort. Das Problem, dass in einem reichen Deutschland Millionen von sozialer Ausgrenzung bedroht sind, sieht er nicht oder er will es nicht sehen. In der gr&#252;nen Diskussion geht es um soziale Gerechtigkeit und neue Gesellschaftsentw&#252;rfe, wie beispielsweise das Grundeinkommen zu einer realistischen Perspektive werden kann. Der Artikel dagegen plappert &#252;ber das struppige Haar von Renate K&#252;nast und Machtfragen. Bei den Kosten der von uns angestrebten Sozialreform wird &#252;ber 700 Milliarden schwadroniert &#8211; eine v&#246;llig an den Haaren herbeigezogene Gr&#246;&#223;enordnung und ein Beleg daf&#252;r, dass eine Recherche nicht stattgefunden hat. Mir fehlen die Worte, deswegen ein Zitat von Dirk Kurbjuweit: „&#8230; und doch muss man st&#228;ndig an ein Wort denken, das eigentlich verboten ist: Bullshit.“</p>
<p>Beate M&#252;ller-Gemmeke, Reutlingen<br />
Mitglied im Landesvorstand von B&#220;NDNIS 90/DIE GR&#220;NEN Baden-W&#252;rttemberg</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Baden-W&#252;rttemberger Landesverband begr&#252;&#223;t Sockelgrundeinkommen (Update 3)</title>
		<link>http://www.grundsicherung-bw.de/2007/10/14/baden-wuerttemberger-landesverband-begruesst-sockelgrundeinkommen/</link>
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		<pubDate>Sun, 14 Oct 2007 16:36:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Till Westermayer (Administration, KV Breisgau-Hochschwarzwald)</dc:creator>
				<category><![CDATA[03 Antragsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Mitteilung]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch ist der Beschluss nicht online zu finden, aber soviel kann schon mal gesagt werden: anders als der Landesverband Berlin haben B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen Baden-W&#252;rttemberg sich auf ihrem Landesparteitag heute f&#252;r das Modell Sockelgrundeinkommen (Grund-3) ausgesprochen &#8212; wie ich finde, ein umsetzbarer Kompromiss zwischen totaler Bedingungslosigkeit und dem emanzipatorischen und freiheitlichen Anspruch, der hinter dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch ist der Beschluss nicht online zu finden, aber soviel kann schon mal gesagt werden: anders als der <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/2007/10/11/berliner-landesverband-lehnt-grundeinkommen-ab/">Landesverband Berlin</a> haben B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen Baden-W&#252;rttemberg sich auf ihrem Landesparteitag heute f&#252;r das Modell Sockelgrundeinkommen (Grund-3) ausgesprochen &#8212; wie ich finde, ein umsetzbarer Kompromiss zwischen totaler Bedingungslosigkeit und dem emanzipatorischen und freiheitlichen Anspruch, der hinter dem Gedanken Grundeinkommen steht. F&#252;r den Grundsicherungsantrag wurden in der Leitantragsentscheidung 76 Stimmen abgegeben, f&#252;r das Sockelgrundeinkommen 114. Damit wird dieses jetzt vom Landesverband als Antrag an den Bundesparteitag Mitte November in N&#252;rnberg eingebracht.</p>
<p><b>Update:</b> <a href="http://www.gruene-bw.de/fileadmin/gruenebw/dateien/LDK_Heilbronn/Grundeinkommen.pdf">Hier der Beschluss</a> (als PDF).</p>
<p><b>Update 2:</b> Nicht zu vergessen die zwei erg&#228;nzenden Beschl&#252;sse, die zur <a href="http://www.gruene-bw.de/fileadmin/gruenebw/dateien/LDK_Heilbronn/Aufbruch_in_der_Sozialpolitik.pdf">gemeinsamen Positionsbestimmung</a> (&#8220;Einleitung&#8221;) und zum Thema <a href="http://www.gruene-bw.de/fileadmin/gruenebw/dateien/LDK_Heilbronn/Frauenpolitische_Forderungen.pdf">frauenpolitische Forderungen an Grundeinkommen und Grundsicherung</a> ebenfalls verabschiedet worden sind. </p>
<p><b>Update 3:</b> Inzwischen (24.10.) gibt es auch eine <a href="http://www.gruene-bw.de/themen/wirtschaft-und-soziales/grundeinkommensbeschluss-im-ueberblick.html">Zusammenfassung und Erl&#228;uterung</a> der wichtigsten Punkte des baden-w&#252;rttembergischen Grundeinkommensbeschlusses.</p>
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		<title>Berliner Landesverband lehnt Grundeinkommen ab</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Oct 2007 09:09:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Mouratidis (Landesvorsitzender, KV Rems-Murr)</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Fundsache]]></category>
		<category><![CDATA[Information]]></category>

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		<description><![CDATA[F&#252;r die Gr&#252;ne Community &#252;berraschend lehnte vergangenes Wochenende die Delegiertenkonferenz der Berliner Gr&#252;nen die Einf&#252;hrung eines bedingungslosen Grundeinkommens ab. Stattdessen favorisierten die Delegierten den Ausbau einer bedarfsorientierten Grundsicherung. Darin wird auch Kritik an den bisherigen Regelungen ge&#252;bt. Insbesondere die Erh&#246;hung des Regelsatzes als auch einen partnerunabh&#228;ngigen Hilfeanspruch wird angemahnt.
Mit dem Antrag &#8220;F&#252;r einen ermutigenden Sozialstaat&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r die Gr&#252;ne Community &#252;berraschend lehnte vergangenes Wochenende die Delegiertenkonferenz der Berliner Gr&#252;nen die Einf&#252;hrung eines bedingungslosen Grundeinkommens ab. Stattdessen favorisierten die Delegierten den Ausbau einer bedarfsorientierten Grundsicherung. Darin wird auch Kritik an den bisherigen Regelungen ge&#252;bt. Insbesondere die Erh&#246;hung des Regelsatzes als auch einen partnerunabh&#228;ngigen Hilfeanspruch wird angemahnt.<br />
Mit dem Antrag <a href="http://gruene-berlin.de/site/fileadmin/dateien/2007/LDK_Oktober/beschluesse/Beschluss_Der_ermutigende_Sozialstaat.pdf">&#8220;F&#252;r einen ermutigenden Sozialstaat&#8221;</a> wird demnach die Vision eines &#8220;Radikalen Realismus in der Sozialpolitik&#8221; formuliert. Die AntragstellerInnen um Sybill Klotz stellten den Ausbau der sozialen Infrastruktur ins Zentrum zuk&#252;nftiger Sozialpolitik.<br />
So beschreibt der Beschluss: &#8220;Gr&#252;ne Sozialpolitik radikal realistisch zu erneuern, das hei&#223;t f&#252;r uns, sowohl die gr&#252;ne Vision eines neuen Sozialstaats zu beschreiben, als auch die politische Redlichkeit aufzubringen, zu benennen, von wem wir in Zukunft einen h&#246;heren Beitrag zum Gemeinwesen erwarten, um dieser Vision auch zur Wirklichkeit zu verhelfen. Unter begrenzten Ressourcen kann radikale Politik nicht hei&#223;en, alles W&#252;nschenswerte zu addieren. Es braucht den Mut Priorit&#228;ten zu setzen und selbst Projekte, die eigentlich w&#252;nschenswert sind, zur&#252;ckzustellen. Erst aus diesem Anspruch ergibt sich unsere Skepsis gegen&#252;ber einem allzu gro&#223;en Ausbau individueller Transfers.&#8221;<br />
Priorit&#228;t soll der Ausbau der Bildung auf skandinavisches Niveau, einen Ausbau der Kinderbetreuung, und einen weiteren Ausbau der Unterst&#252;tzung f&#252;r Familien und Kinder bekommen.<br />
Mit aufgenommen wurde ein bedingunsloses Grundeinkommen auf Zeit, dessen Prinzip sich an der in Grund 2 vorgeschlagenen Br&#252;ckengrundsicherung orientiert.</p>
<p>Insofern haben sich insbesondere die Sozialstadtr&#228;tInnen im Bundesland mit den wahrscheinlich gr&#246;&#223;ten sozialen Problemen Deutschlands die Delegiertenkonferenz des eher linken Landesverbandes Berlin &#252;berzeugen k&#246;nnen, in welchen Bereichen ein gr&#252;ner sozialer Aufbrauch n&#246;tig ist. Ein Ergebnis, dass auch uns zu Denken geben sollte.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Finanzierung des Sockelgrundeinkommens</title>
		<link>http://www.grundsicherung-bw.de/2007/10/09/finanzierung-des-sockelgrundeinkommens/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Oct 2007 15:12:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Winfried Böhler</dc:creator>
				<category><![CDATA[03 Antragsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Höhe & Finanzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Modelle & Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Statement]]></category>

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		<description><![CDATA[Was wir unter dem Label Grundeinkommen (Antrag Grund-3) vorschlagen, ist eigentlich eine Steuerreform. Es ist n&#228;mlich nicht so, dass bei unserem Modell jeder ein Grundeinkommen ausbezahlt bekommt, sondern das Grundeinkommen wird in die Steuerreform integriert. Bei der Steuerreform schlagen wir im Grunde genommen zwei Dinge vor:
1. werden die bereits heute vorhandenen Grundfreibetr&#228;ge in Form von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was wir unter dem Label Grundeinkommen (Antrag Grund-3) vorschlagen, ist eigentlich eine Steuerreform. Es ist n&#228;mlich nicht so, dass bei unserem Modell jeder ein Grundeinkommen ausbezahlt bekommt, sondern das Grundeinkommen wird in die Steuerreform integriert. Bei der Steuerreform schlagen wir im Grunde genommen zwei Dinge vor:</p>
<p>1. werden die bereits heute vorhandenen Grundfreibetr&#228;ge in Form von Grundeinkommen deutlich angehoben</p>
<p>2. &#228;ndern wir die Steuersystematik.</p>
<p><span id="more-147"></span></p>
<h3>Grundeinkommen als Steuerreform</h3>
<p>Ich versuche das 2. kurz anhand der heutigen Behandlung von Kindern zu erkl&#228;ren. Heute ist es so, dass im Rahmen der Steuererkl&#228;rung vom Finanzamt (nat&#252;rlich per Programm) zwei mal gerechnet wird. Zun&#228;chst wird die Steuerlast ohne Ber&#252;cksichtigung von Kinderfreibetr&#228;gen gerechnet und dann noch einmal unter Ber&#252;cksichtigung von Kinderfreibetr&#228;gen (das geht so, dass die Kinderfreibetr&#228;ge vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden und dann das verbleibende Einkommen versteuert wird). Dann werden die beiden Ergebnisse verglichen. Bei hohen Einkommen liegen zwischen Ergebnis 1 und Ergebnis 2 bei einem Kind ca. 255,- Euro. Bei sehr niedrigen Einkommen ist die Differenz 0,- Euro. Als n&#228;chstes wird das Rechenergebnis gegen das Kindergeld gepr&#252;ft. War die Steuerdifferenz aus den 2 Rechnungen kleiner oder gleich dem Kindergeld, bleibt es beim bereits erhaltenen Kindergeld und es werden keine Kinderfreibetr&#228;ge angerechnet. Es wird also das 1. Rechenergebnis verwendet. War die Steuerdifferenz allerdings gr&#246;&#223;er als das Kindergeld, werden ein oder mehrere Kinderfreibetr&#228;ge angerechnet, das hei&#223;t, das zu versteuernde Einkommen wird um die Kinderfreibetr&#228;ge gek&#252;rzt. Es gilt in diesem Fall also das Steuerergebnis der 2. Berechnung. Im Gegenzug wird aber die berechnete Steuer um das bereits erhaltene Kindergeld erh&#246;ht. Der Steuerpflichtige erh&#228;lt also zum bereits erhaltenen Kindergeld noch die Steuerdifferenz aus den 2 Berechnungen abz&#252;glich Kindergeld, also bei hohen Einkommen sind das dann bei einem Kind die 255,- Euro, n&#228;mlich 154,- Euro Kindergeld plus 101,- Euro Steuerersparnis aus dem Kinderfreibetrag. In Summe erhalten &#8220;Besserverdienende&#8221; also 255,- Euro pro Kind.</p>
<p>Unser heutiges Steuersystem arbeitet in den meisten F&#228;llen so wie oben beschrieben. Verg&#252;nstigungen (wie der Grundfreibetrag, das Kindergeld, Werbungskosten etc.) werden von den Eink&#252;nften abgezogen und dann wird die Steuer berechnet. Hat jemand nun ein geringes Einkommen, geht das daneben, denn von den Eink&#252;nften wird nur so lange abgezogen, bis 0,- Euro erreicht sind. Kommt theoretisch unter 0,- Euro heraus, geht das schlicht verloren. Weniger als 0,- Euro Steuer kann man schlie&#223;lich nicht zahlen.</p>
<p>Genau an der Stelle setzt unser Vorschlag an. Wir drehen die Systematik um. Denn wir sagen: das Einkommen wird zuerst versteuert und dann werden die Ver&#252;nstigungen (Grundfreibetrag in Form von Grundeinkommen je Erwachsener, Kinderfreibetrag in Form von Grundeinkommen f&#252;r Kinder etc.), bedingungslos abgezogen und wenn da dann weniger als 0,- Euro rauskommen, wird das vom Finanzamt als negative Einkommensteuer ausbezahlt.</p>
<p>So einfach ist das!!!!</p>
<p>Die Sache hat allerdings einen Haken! Heute ist es so, dass Verg&#252;nstigungen (alle obigen, aber auch das Ehegattensplitting und ganz ganz viele andere) fast immer zuerst das zu versteuernde Einkommen mindern und dann erst die Steuer berechnet wird. Das hat zur Folge, dass derjenige, der im Prinzip viel Steuern zahlen m&#252;sste sehr viel Steuern spart. Man muss nur daf&#252;r sorgen, dass viel vom Einkommen vor der Steuerberechnung abgezogen wird, dann muss man trotz real hohen Einkommens aber mit &#8211; nach den ganzen Abz&#252;gen &#8211; niedrigem zu versteuerndem Einkommen kaum oder sogar keine Steuern zahlen. Das ist &#252;brigens keine Theorie sondern h&#228;ufig anzutreffende Praxis. Wer demgegen&#252;ber kein hohes reales Einkommen hat, der geht leer aus, denn wenn er eh keine oder nur wenig Steuer zahlen muss, dann helfen ihm die vielen Verg&#252;nstigungsm&#246;glichkeiten nicht oder kaum weiter. Wie gesagt: weniger als 0,- Euro Steuern geht in unserem heutigen System nicht.</p>
<p>Unser Vorschlag dagegen (Einkommen erst versteuern und dann Verg&#252;nstigungen von der berechneten Steuer abziehen) wirkt f&#252;r alle gleich. Jeder hat aus den Verg&#252;nstigungen den gleichen Vorteil. Und wenn die Steuer abz&#252;glich Verg&#252;nstigungen kleiner 0,- Euro wird, dann wird eben ausgezahlt. Es geht also nie eine Verg&#252;nstigung verloren. Wichtig ist zu verstehen, dass bei unserem Vorschlag der Fall des besserverdienenden Zahnarztes, der auch noch ein Grundeinkommen bezieht, gar nicht vorkommt. Denn der Zahnarzt muss erst sein hohes reales Einkommen voll (mit Progression) versteuern. Dann wird der Grundfreibetrag in H&#246;he des Grundeinkommens abgezogen. Den Rest zahlt er nat&#252;rlich als Steuer. Und das ist nach Umkehrung der Steuersystematik ceteris paribus, also auch wenn sonst &#252;berhaupt nichts ge&#228;ndert w&#252;rde, deutlich mehr als heute!!!</p>
<p>Das ist eigentlich schon fast alles bzw. den Rest wollen wir ja weitgehend unver&#228;ndert lassen. Die Sozialversicherung soll fast unver&#228;ndert beibehalten werden und bei der Steuer wollen wir ja auch nur die Grundfreibetr&#228;ge in Form der Grundeinkommensbetr&#228;ge erh&#246;hen und die Systematik &#228;ndern. Beides ist &#252;ber eine etwas ge&#228;nderte Steuerformel sehr einfach machbar.</p>
<h3>Wie teuer wird es?</h3>
<p>Und jetzt kommt, was die meisten nicht glauben wollen oder sich nicht vorstellen k&#246;nnen: das Ganze w&#252;rde innerhalb der Einkommensteuer funktionieren, ohne dass irgendwo sonst auch nur das Geringste ge&#228;ndert werden m&#252;sste und ohne dass der Staat auch nur einen Euro weniger an Einkommensteuer einnehmen w&#252;rde als heute.</p>
<p>Reine Zauberei?</p>
<p>Lasst Euch &#252;berraschen!!</p>
<p>Der Gesamtbetrag der Eink&#252;nfte (Summe aller Einkommensarten, die in der Einkommensteuer relevant sind wie L&#246;hne, Geh&#228;lter, Mieten, Zinsen etc.), der heute in der Einkommensteuer erfasst wird, liegt bei ungef&#228;hr 1,15 Billionen Euro (1.150.000.000.000 Euro). Aus diesem Einkunftsvolumen ergibt sich eine Einkommensteuer von ungef&#228;hr 185 Milliarden Euro (185.000.000.000 Euro). Das entspricht knapp 16 %. Schon das ist bemerkenswert!!! Bedeutet es doch, dass im Durchschnitt und tats&#228;chlich/real heute &#8220;nur&#8221; 16 % Einkommensteuer bezahlt werden. Das ist doch schon etwas &#252;berraschend, wenn Ihr bedenkt, dass unser heutiges Steuersystem einen nominalen Einstiegssteuersatz von 15 % hat (das ist der &#252;berhaupt niedrigste Steuersatz, der zur Anwendung kommt) und die Steuerprogression dann nominal bis 45 % geht. Wie kann es sein, dass dann durchschnittlich nur knapp 16 % reale Steuer rauskommen?</p>
<p>Das erkl&#228;re ich gleich, aber daf&#252;r muss ich die Begriffe nominal und real noch kurz erkl&#228;ren. Steuers&#228;tze, die auf dem Papier stehen und z.B. in der Steuerformel verarbeitet werden, werden nominal genannt. Sie sind es praktisch nur dem Namen (nominal) nach. Denn wie Ihr oben gesehen habt, werden ja heute erst noch jede Menge Ver&#252;nstigungen von den Eink&#252;nften abgezogen bevor der nominale Steuersatz zur Anwendung kommt. Und wenn man dann das kleine verbleibende Steuer-H&#228;ufchen ins Verh&#228;ltnis zu den Eink&#252;nften vor den ganzen Abz&#252;gen setzt, kommt was ganz anderes als der nominale Steuersatz heraus. Und der Steuerprozentsatz, der dabei heraus kommt, wird realer Steuersatz genannt. Und so kann es dann ohne weiteres sein, dass ein sehr gut verdienender Zahnarzt, der eigentlich die Reichensteuer mit einem nominalen Steuersatz von 45% bezahlen m&#252;sste, tats&#228;chlich einen realen Steuersatz von sagen wir 10 % hat. &#220;ber alles gerechnet haben wir heute also einen realen Steuersatz von durchschnittlich knapp 16 %.</p>
<p>So und jetzt wird es spannend. Ahnt Ihr schon was jetzt kommt?</p>
<p>Wenn wir also die Steuersystematik umkehren &#8211; wie oben beschrieben &#8211; und einen durchschnittlichen nominalen Steuersatz von z.B. 35 % anwenden w&#252;rden, erg&#228;be sich aus dem Gesamtbetrag der Eink&#252;nfte zun&#228;chst ein nominales Steueraufkommen von ungef&#228;hr 400 Milliarden Euro (400.000.000.000 Euro). Denn dann w&#252;rden wir ja erst die Eink&#252;nfte versteuern, also den nominalen Satz auf die Summe der Eink&#252;nfte anwenden bevor dann m&#246;gliche Ver&#252;nstigungen von der nominal berechneten Steuer abgezogen w&#252;rden. Wenn wir weiter nichts t&#228;ten, w&#228;re das nat&#252;rlich viel zu viel!! Ihr erinnert Euch: der Staat nimmt heute ja &#8220;nur&#8221; 185 Milliarden Einkommensteuer ein. Was machen wir denn jetzt mit dem &#220;berschuss von 215 Milliarden Euro? Ganz einfach: wir f&#252;hren ein bedingungsloses Grundeinkommen in Form von Grundfreibetr&#228;gen in der Einkommensteuer ein. Nach der neuen Systematik m&#252;ssen wir das dann von der nominalen Steuer von rund 400 Milliarden abziehen. Und wenn dabei dann wieder eine durchschnittliche reale Steuer von 16 % herauskommt, hat sich f&#252;r den Staat absolut nichts ge&#228;ndert!! Er hat also vorher und nachher exakt das gleiche Steueraufkommen.</p>
<p>So und jetzt wollen wir mal sehen, ob das aufgehen kann: nach unserem Vorschlag bek&#228;men rund 65 Millionen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger das Grundeinkommen in Form eines steuerlichen Grundfreibetrages. Die Rentner wollen wir ja im Prinzip vorerst au&#223;en vor lassen, denn sie haben sich ihre Rente ja durch Beitr&#228;ge verdient (und finanziert) und die Mittel daf&#252;r sind bei der Rentenversicherung ja bereits vorhanden. Wir w&#252;rden nur aufstocken, wenn die Rente unter unserem Sockelgrundeinkommen liegen w&#252;rde. Das lassen wir mal au&#223;en vor, da es sich nicht um gro&#223;e Summen handeln w&#252;rde. Die &#252;brigen 65 Millionen bekommen sagen wir mal durchschnittlich 390 Euro (Mittel aus Erwachsenen- und Kinder-Grundeinkommen). Das w&#228;ren dann insgesamt rund 300 Milliarden. Unser &#220;berschuss betr&#228;gt aber &#8220;nur&#8221; 215 Milliarden. Es fehlen uns also rund 85 Milliarden!!!! Was machen wir jetzt? Wir haben noch was vergessen. Denn mit Einf&#252;hrung des Grundeinkommens fallen ja die ALG II-Sockel, das Kindergeld, das Ehegattensplitting etc. weg. Die m&#252;ssen wir nat&#252;rlich gegenrechnen, denn der Staat muss das ja nicht mehr an anderer Stelle ausgeben. Das was wegf&#228;llt ist mehr als die fehlenden 85 Milliarden. Also geht die Rechnung auf. Herzlichen Gl&#252;ckwunsch auch!!!!</p>
<h3>Was k&#246;nnen wir daraus schlie&#223;en?</h3>
<p>Unsere durchschnittliche und nur auf die Einkommensteuer fixierte Betrachtung hat ergeben, dass die Einf&#252;hrung des von uns vorgeschlagenen Sockelgrundeinkommens steuerneutral zu finanzieren ist. Und das bei einem durschschnittlichen nominalen Steuersatz von 35% und einem durchschnittlichen realen Steuersatz von &#8211; wie bisher &#8211; 16 %. Selbstverst&#228;ndlich k&#246;nnen wir auch in der neuen Systematik bei der Progression bleiben. Das w&#252;rde dann bedeuten, dass wir wie bisher niedrige Eink&#252;nfte &#8211; jetzt aber vor Abzug von Ver&#252;nstigungen &#8211; mit weniger als 35 % besteuern w&#252;rden und h&#246;here eben wie bisher mit bis zu 45 % Steuern. So weit so gut. Selbstverst&#228;ndlich k&#246;nnen wir auch einen Steuermix zur Finanzierung heranziehen. In diesem Fall k&#246;nnten wir das Einkommensteueraufkommen entsprechend verringern, oder die zus&#228;tzlichen Steuern anderweitig verwenden. Bei Verringerung des Einkommensteueraufkommens k&#246;nnten dann die nominalen Steuers&#228;tze entsprechend gesenkt werden.</p>
<p>Wie funktioniert das eigentlich, dass vorher und hinterher f&#252;r den Staat das gleiche raus kommt? Das funktioniert dadurch, dass eine &#8220;Innenfinanzierung&#8221; innerhalb der Einkommensteuer stattfindet. Niedrige Eink&#252;nfte werden beg&#252;nstigt und zwar um so mehr, je niedriger sie sind und das geht bis zur Auszahlung von negativer Einkommensteuer. Durch die Umkehrung der Steuersystematik packt die Steuer bei h&#246;heren Einkommen relativ stramm zu. Das hei&#223;t, dass der Vorteil der Grundfreibetr&#228;ge ab einem bestimmten Einkommen &#8211; je nach Konstellation &#8211; nach und nach aufgezehrt wird und dann die Geschichte kippt. &#220;ber der &#8220;Kipp-Grenze&#8221; wird dann mehr Steuer gezahlt als heute. Je h&#246;her die Einkommen sind, desto mehr tragen sie zu den realen 16% Steuer bei. Das ergibt &#252;brigens schon bei einer reinen Durchschnittsteuer von 35% einen deutlichen Progressionseffekt! Das sch&#246;ne an unserem Konzept ist, dass die Entlastung ganz gezielt und nur an der unteren Kante sehr deutlich ist, die Belastung in der Mitte des Einkommensspektrums mehr oder weniger der heutigen Belastung entspricht, w&#228;hrend die Belastung der h&#246;heren Einkommen &#252;ber der heutigen Belastung liegt. Es kann also per Saldo gesagt werden, dass nur die unteren Einkommen durch das Grundeinkommen beg&#252;nstigt werden. Bei den mittleren Einkommen w&#228;re die Einf&#252;hrung unseres Grundeinkommens praktisch neutral. Bei den hohen Einkommen w&#228;re sogar das Gegenteil der Fall. Also noch einmal: bei unserem Vorschlag kommt der Fall, dass Besserverdiener auch noch ein Grundeinkommen beziehen, gar nicht vor.</p>
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		<title>Landesausschuss in Pforzheim: Eckpunkte zur neuen sozialen Sicherung beschlossen</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jul 2007 12:31:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hagel (Admin, KV Reutlingen)</dc:creator>
				<category><![CDATA[03 Antragsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Information]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie in diesem Blog bereits mehrfach angek&#252;ndigt fand am vergangenen Samstag in Pforzheim der 09. Landesausschuss von B&#252;ndnis 90 / DIE GR&#220;NEN Baden-W&#252;rttemberg statt. Dabei wurden die an einigen Stellen durch Antrag ge&#228;nderten Eckpunkte beschlossen.
Vor allem aber war es eine spannende, polarisierende und prominent besetzte Debatte um Grundeinkommen, Grundsicherung und den Weg, den die Gr&#252;nen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-andrea-klein.JPG" title="Landesausschuss Andrea spricht"></a><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-ko-klein.JPG" title="Landesausschuss Zuhoerer"></a><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-daniel-klein.JPG" title="Landesausschuss Daniel spricht"><img vspace="5" align="right" width="200" src="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-daniel-klein.JPG" hspace="10" alt="Landesausschuss Daniel spricht" style="width: 200px" title="Landesausschuss Daniel spricht" /></a>Wie in diesem Blog bereits <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/2007/06/06/sieben-eckpunkte-fuer-ein-gruenes-modell-einer-neuen-sozialen-sicherung/" title="Beitrag zur Vorstellung des Eckpukntepapiers">mehrfach</a> <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/2007/06/22/aenderungsantraege/" title="Beitrag zu den &#196;nderungsantr&#228;gen">angek&#252;ndigt</a> fand am <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-daniel-klein.JPG" title="Landesausschuss Daniel spricht"></a>vergangenen <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-daniel-klein.JPG" title="Landesausschuss Daniel spricht"></a>Samstag in Pforzheim der 09.<a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-daniel-klein.JPG" title="Landesausschuss Daniel spricht"></a> Landesausschuss von B&#252;ndnis 90 / DIE GR&#220;NEN Baden-W&#252;rttemberg statt. Dabei wurden die an einigen Stellen durch Antrag ge&#228;nderten Eckpunkte beschlossen.</p>
<p><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-till-klein.JPG" title="Landesausschuss Till spricht"></a><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-till-klein.JPG" title="Landesausschuss Till spricht"></a>Vor allem aber war es eine spannende, polarisierende und prominent besetzte Debatte um Grundeinkommen, Grundsicherung und den Weg, den die Gr&#252;nen einschlagen sollten. Zun&#228;chst f&#252;hrte <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-till-klein.JPG" title="Landesausschuss Till spricht"></a>der Landesvorsitzende Daniel Mouratidis in die Debatte ein und stellte den Leitantrag vor.<a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-till-klein.JPG" title="Landesausschuss Till spricht"><img vspace="5" align="left" width="200" src="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-till-klein.JPG" hspace="10" alt="Landesausschuss Till spricht" style="width: 200px" title="Landesausschuss Till spricht" /></a><br />
Thomas Poreski und Kerstin Andreae lieferten sich danach einen rhetorischen Schlagabtausch f&#252;r und <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-till-klein.JPG" title="Landesausschuss Till spricht"></a>wider eines Systemwechsels (hin zur Grundsicherung) in der Sozialpolitik. An der allgemeinen Aussprache beteiligten sich Till Westermayer, Brigitte Schmid, Fritz Kuhn, B&#228;rbl Mielich, Beate M&#252;ller-Gemmeke, Silke Krebs, Andrea Lindlohr, Biggi Bender, Raymond F&#246;jllar und Sylvia Kotting-Uhl.</p>
<p><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-fritz-klein.JPG" title="Landesausschuss Fritz spricht"></a><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-fritz-klein.JPG" title="Landesausschuss Fritz spricht"></a><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-fritz-klein.JPG" title="Landesausschuss Fritz spricht"></a>Auf der einen Seite war davon die Rede, dass die Krise in welcher die Erwerbsgesellschaft steckt nicht allein durch Reformen von Hartz IV zu beheben ist. Ein bedingungsloses<a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-fritz-klein.JPG" title="Landesausschuss Fritz spricht"><img vspace="5" align="right" width="200" src="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-fritz-klein.JPG" hspace="10" alt="Landesausschuss Fritz spricht" style="width: 200px" title="Landesausschuss Fritz spricht" /></a> Grundeinkommen sei finanzierbar, gerecht und effektiv. Auf der anderen Seite argumentierten die Redner, man d&#252;rfe sich nicht vom Grundsatz l&#246;sen, dass der Staat „jenen mehr helfen muss, die es dringender ben&#246;tigen, als den anderen“ (Fritz Kuhn). Gleich viel f&#252;r alle sei ungerecht, Infrastruktur und Grundeinkommen nicht gleichzeitig bezahlbar.</p>
<p><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-andrea-klein.JPG" title="Landesausschuss Andrea spricht"></a><a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-andrea-klein.JPG" title="Landesausschuss Andrea spricht"></a>Es wird also bis zum Beschluss im Oktober noch richtig spannend werden. Vorerst findet ja keine Festlegung auf Modelle statt – und auch keine explizite Absage. <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-andrea-klein.JPG" title="Landesausschuss Andrea spricht"><img vspace="5" align="left" width="200" src="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/la-andrea-klein.JPG" hspace="10" alt="Landesausschuss Andrea spricht" style="width: 200px" title="Landesausschuss Andrea spricht" /></a>Wenngleich die beschlossenen Eckpunkte den Ausschluss der Modelle von Althaus, G&#246;tz Werner und Straubhaar beinhalten, lehnten die Delegierten einen entsprechenden Antrag ab, dies auch explizit zu erw&#228;hnen. Au&#223;erdem wurden einige S&#228;tze &#252;ber „T&#228;tigkeiten jenseits der Erwerbsarbeit“ und ein „gr&#252;nes Arbeitsmarktkonzept“ erg&#228;nzt und die Erw&#228;hnung von Sanktionsma&#223;nahmen und Altersvorsorgekonto gestrichen, da (so die Antragsbegr&#252;ndung) „die Debatte ob Grundsicherung oder Grundeinkommen im Sinne der Antragsteller offen gehalten werden soll“. Erw&#228;hnt wird nun daf&#252;r ein „Recht auf Ausbildung“.</p>
<p> Den vom Landesausschuss angenommenen Beschluss findet Ihr <a target="_blank" href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/07/beschluss-soziale-sicherung.pdf" title="Landesausschuss Beschluss Soziale Sicherung">hier als pdf-Dokument</a>.</p>
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		<title>Sieben Eckpunkte f&#252;r ein gr&#252;nes Modell einer neuen sozialen Sicherung</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jun 2007 09:21:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hagel (Admin, KV Reutlingen)</dc:creator>
				<category><![CDATA[03 Antragsdebatte]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 30. Juni werden B&#252;ndnis 90 / DIE GR&#220;NEN Baden-W&#252;rttemberg sich in Pforzheim zum Landesausschuss treffen. Der Landesausschuss ist bei Gr&#252;ns der &#8220;kleine Parteitag&#8221; und soll auf halber Strecke vor dem Landeparteitag im Oktober eine Debatte zu Grundsicherung und Grundeinkommen erm&#246;glichen. Dabei sollen auch erste Leitlinien f&#252;r die weitere Debatte beschlossen werden. Der Antrag des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 30. Juni werden B&#252;ndnis 90 / DIE GR&#220;NEN Baden-W&#252;rttemberg sich in Pforzheim zum Landesausschuss treffen. Der Landesausschuss ist bei Gr&#252;ns der &#8220;kleine Parteitag&#8221; und soll auf halber Strecke vor dem Landeparteitag im Oktober eine Debatte zu Grundsicherung und Grundeinkommen erm&#246;glichen. Dabei sollen auch erste Leitlinien f&#252;r die weitere Debatte beschlossen werden. Der Antrag des Landesvorstandes dazu hat die Debatte in diesem Blog, in der Partei und in der Projektgruppe ber&#252;cksichtigt und umfasst sieben Punkte. Au&#223;erdem wird ein <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/06/grund-bericht.doc">Bericht</a> zum Stand der Diskussion vorgelegt, der aber nicht zur Abstimmung steht. Die Eckpunkte aus dem Antrag gibt es untenstehend im Wortlaut oder <a href="http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/06/grund-1.doc" title="Landesausschuss: Antrag">hier als Word-Dokument</a>.<br />
<span id="more-118"></span></p>
<h4 align="left">Wir wollen die derzeitige Praxis von Hartz IV ver&#228;ndern</h4>
<li>Der Regelsatz einer Grundsicherung oder eines Grundeinkommens muss gegen&#252;ber dem ALG II erh&#246;ht werden, damit er zumindest das soziokulturelle Existenzminimum abdeckt. Neue Sicherungssysteme m&#252;ssen sich an diesem Regelsatz orientieren.</li>
<li>Den heute erheblichen b&#252;rokratischen Aufwand wollen wir im Interesse der Betroffenen und der &#246;ffentlichen Hand deutlich verringern.</li>
<li>Sanktionsma&#223;nahmen sollen darauf &#252;berpr&#252;ft werden, ob mit ihnen die angestrebten Ziele erreicht werden und ihr Einsatz angemessen ist.</li>
<li>Wir wollen das Altersvorsorgeverm&#246;gen umfassender sch&#252;tzen, um eine verl&#228;ssliche Lebensplanung zu erm&#246;glichen. Mit dem gr&#252;nen Altersvorsorgekonto k&#246;nnen individuelle R&#252;cklagen gebildet werden, die bei einer Bedarfspr&#252;fung frei gestellt sind.</li>
<li>Die soziale Sicherung soll so gestaltet werden, dass Zuverdienste m&#246;glichst attraktiv sind.</li>
<h4 align="left">Wir wollen den sich ver&#228;ndernden Gegebenheiten in der Arbeitswelt Rechnung tragen</h4>
<li>Soziale Sicherung muss dazu beitragen, unstete Erwerbsverl&#228;ufe und die zunehmend an Bedeutung gewinnenden flexiblen bis prek&#228;ren Besch&#228;ftigungsformen sozial abzusichern</li>
<li>Sie muss Anreize zur Selbstst&#228;ndigkeit bieten und soll dazu beitragen, Risiken bei Existenzgr&#252;ndungen abzusichern.</li>
<li>Wir fordern einen gesetzlich abgesicherten, branchenspezifischen und regional differenzierten Mindestlohn.</li>
<h4 align="left">Wir wollen aktive Teilhabe erm&#246;glichen</h4>
<li>Ziel muss bleiben, f&#252;r alle B&#252;rgerInnen Chancen auf Erwerbsarbeit zu schaffen.</li>
<li>F&#252;r junge Menschen wollen wir eine Ausbildung gew&#228;hrleisten.</li>
<li>Grundsicherung oder Grundeinkommen d&#252;rfen keinen Abschied von aktiver Arbeitsmarktpolitik bedeuten. Ein Arbeitsmarktkonzept ist Kernst&#252;ck gr&#252;ner Sozialpolitik.</li>
<li>Unabh&#228;ngig von der Ausgestaltung des Modells sozialer Sicherung setzen wir uns f&#252;r eine neue Bildungsoffensive ein, f&#252;r die &#246;ffentliche Ressourcen bereitgestellt werden m&#252;ssen.</li>
<li>Wir wollen eine B&#252;rgergesellschaft, die b&#252;rgerschaftliche Teilhabe und Partizipation als Wesenselemente einer solidarischen Gesellschaft leben will.</li>
<h4 align="left">Wir brauchen Infrastruktur <em>und</em> Transferleistungen</h4>
<li>Unser politisches Handeln gilt den Chancen f&#252;r Arme und Benachteiligte, insbesondere der Entfaltung der Potenziale von Kindern. Deswegen beinhaltet f&#252;r uns soziale Sicherung neben finanziellen Transferleistungen auch die Gew&#228;hrleistung einer Infrastruktur, die Zug&#228;nge zu Bildung, Beratung, Qualifizierung und pers&#246;nlicher Unterst&#252;tzung schafft.</li>
<h4 align="left">Wir m&#246;chten individuelle Absicherung gew&#228;hrleisten</h4>
<li>Vom Partner oder der Partnerin abh&#228;ngige Leistungen entsprechen nicht den eigenst&#228;ndigen Biografien der B&#252;rgerInnen von heute. Deswegen streben wir f&#252;r die neue soziale Sicherung eine Abkopplung vom Partnereinkommen an, die wir mit einer Individualisierung im Steuerrecht verbinden wollen.</li>
<li>Geschlechtsspezifische Effekte eines neuen sozialen Sicherungsmodells m&#252;ssen in unserem Abw&#228;gungsprozess ber&#252;cksichtigt werden.</li>
<h4 align="left">Wir m&#252;ssen europ&#228;ische und internationale Verflechtungen ber&#252;cksichtigen</h4>
<li>Wir lehnen Vorschl&#228;ge ab, die einer st&#228;rkeren Harmonisierung der Mehrwertsteuer im Rahmen des EU-Korridors zuwider laufen oder sogar eine Abschaffung der Ertragsbesteuerung im Inland vorsehen.</li>
<li>Eine Grundsicherung oder ein Grundeinkommen muss Antworten auf die Frage geben, wie die Auswirkungen von Migration bew&#228;ltigt werden.</li>
<h4 align="left">Soziale Sicherung braucht verschiedene Finanzierungswege</h4>
<li>Der Sozialstaat braucht verschiedene Wege der Finanzierung. Eine alleinige Finanzierung aus der Konsumbesteuerung halten wir selbst in einer l&#228;ngerfristigen Perspektive nicht f&#252;r w&#252;nschenswert. Ein ausgewogener Steuermix kann die Finanzierungslast gerecht verteilen.</li>
<li>Der Staat muss weiterhin die M&#246;glichkeiten haben, unerw&#252;nschtes Verhalten zu verteuern und w&#252;nschenswerte Aktivit&#228;ten zu beg&#252;nstigen. Insbesondere Instrumente in der Steuerpolitik, die eine &#246;kologische Lenkungswirkung entfalten, m&#252;ssen verst&#228;rkt eingerichtet werden.</li>
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		<title>Individuen und Institutionen</title>
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		<pubDate>Fri, 25 May 2007 10:18:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gastbeitrag</dc:creator>
				<category><![CDATA[01 Grundsatzfragen]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gastbeitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik & Utopie]]></category>
		<category><![CDATA[Modelle & Philosophien]]></category>

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		<description><![CDATA[Anmerkungen zur aktuellen Grundsicherungs-Debatte aus emanzipatorischer und gerechtigkeitsorientierter Perspektive
Gastbeitrag von Peter Siller, Leiter der Abteilung Inland der Heinrich-B&#246;ll-Stiftung
In der politischen Landschaft der Bundesrepublik ist un&#252;bersehbar, dass die Suchbem&#252;hungen – und teilweise auch die Sehnsucht – nach einer gr&#246;&#223;eren politischen Erz&#228;hlung wachsen. Trotz und gegen die Thesen vom Siegeszug des Pragmatismus, vom Verschwinden der Lager und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3 align="left">Anmerkungen zur aktuellen Grundsicherungs-Debatte aus emanzipatorischer und gerechtigkeitsorientierter Perspektive</h3>
<p><a href='http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/05/peter_siller.jpg' title='Peter Siller'><img class="alignright" width=129 height=200 src='http://www.grundsicherung-bw.de/wp-content/uploads/2007/05/peter_siller.jpg' alt='Peter Siller' /></a><i>Gastbeitrag von <a href="http://www.boell.de/de/04_thema/4071.html">Peter Siller</a>, Leiter der Abteilung Inland der Heinrich-B&#246;ll-Stiftung</i></p>
<p>In der politischen Landschaft der Bundesrepublik ist un&#252;bersehbar, dass die Suchbem&#252;hungen – und teilweise auch die Sehnsucht – nach einer gr&#246;&#223;eren politischen Erz&#228;hlung wachsen. Trotz und gegen die Thesen vom Siegeszug des Pragmatismus, vom Verschwinden der Lager und vom Ende der Gro&#223;theorie ist in verschiedenen politischen Lagern eine zumindest zaghafte Suchbewegung sichtbar, in der nach tragf&#228;higen Begriffen und Formeln gesucht wird, die den „Plot“ einer solchen politischen Erz&#228;hlung bilden k&#246;nnten. Das gilt mehr als f&#252;r andere Parteien f&#252;r die Gr&#252;nen, bei denen erst langsam wirklich ankommt, dass die urspr&#252;nglich ambitionierte Erz&#228;hlung der eigenen Regierungszeit nicht nur j&#228;h abbricht, sondern mit Blick auf die zweite Legislatur kaum im Ged&#228;chtnis der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger h&#228;ngen geblieben ist. Doch auch unabh&#228;ngig von den Gr&#252;nen gibt es einige Indizien, dass Selbstverwirklichungs-Optimismus, Erlebnis-Paradigma und Ironie der neunziger Jahre zwar nicht verschwunden sind, aber doch gegen&#252;ber dem Bed&#252;rfnis nach einem st&#228;rkeren politischen Narrativ zur&#252;ckgetreten sind.</p>
<p><span id="more-114"></span><br />
Best&#228;rkt wird das Bed&#252;rfnis nach einer politischen Erz&#228;hlung durch eine ver&#228;nderte Rezeption der gesellschaftlichen Realit&#228;t, mit der ein Ende alter, vertrauter Erz&#228;hlungen einherging. Ein entscheidender Wendepunkt dieser Rezeption waren ohne Zweifel die Anschl&#228;ge des 11. September, mit denen das bisher eher abstrakte Ende der alten, nach Bl&#246;cken geordneten Welt konkret wurde. Hinzu kamen aber auch die innergesellschaftlichen Analysen einer neuen „Unterschicht“ bzw. „Unterklasse“ sowie einer Prekarisierung der Mittelschichten, die ihrerseits der Erz&#228;hlung vom „rheinischen Kapitalismus“ und dem damit einhergehenden Wohlfahrtsversprechen f&#252;r alle endg&#252;ltig ein Ende setzten. Und auch das Ende der &#246;kologischen Sorglosigkeit wurde f&#252;r Viele in der Gesellschaft erst in der j&#252;ngsten Vergangenheit von einer abstrakten Vorhaltung zu einem konkreten Faktum.</p>
<h4>1. Erz&#228;hlungen nach den Ideologien</h4>
<p>Dieses Bewusstsein f&#252;r die Notwendigkeit einer gr&#246;&#223;eren Erz&#228;hlung ist – entgegen dem postmodernen Diktum vom „Ende der gro&#223;en Erz&#228;hlungen“ (Lyotard, La condition postmoderne) &#8211; f&#252;r das politische Klein-Klein und all die pragmatischen Schritte ist eine gro&#223;e Chance. Denn ohne eine Auskunft &#252;ber die Wegweiser des eigenen politischen Handelns, ohne Landkarte und Kompass, verliert sich jede einzelne Handlung in Beliebigkeit. Verloren geht damit der Anspruch, die B&#252;rgerinnen und B&#252;rger von einem politischen Kurs zu &#252;berzeugen, Gr&#252;nde und Hintergr&#252;nde zu benennen. Verloren geht damit letztlich die Chance, Menschen f&#252;r eine bestimmte Politik zu gewinnen.<br />
Diese Effekte sind jedoch nur dann als positiv zu bewerten, wenn der Inhalt – wenn man so will der „Plot“ – der politischen Erz&#228;hlung stimmt. Auf der Suche nach der gr&#246;&#223;eren Erz&#228;hlung kommt es deshalb darauf an, die Gefahren und Untiefen in der beschriebenen Sehnsucht zu erkennen und zu ber&#252;cksichtigen. Eine politische Erz&#228;hlung darf kein Selbstzweck sein, dem man Inhalte beliebig unterordnet. Vielmehr m&#252;ssen in der Politik am Anfang Ideen, Grunds&#228;tze und Kriterien, aus deren Vollzug in der politischen Praxis sich dann eine bestimmte Erz&#228;hlung ergibt. Dort, wo die Sehnsucht nach der gro&#223;en Erz&#228;hlung am Anfang steht, und nicht die Anteil nehmende Zuwendung zur Welt, verkehrt sie sich zur blinden Ideologie. Eine gr&#246;&#223;ere politische Erz&#228;hlung rechtfertigt sich also durch ihre Inhalte und muss den Menschen zugewandt sein, anstatt sich im Erz&#228;hlrausch abzuwenden. Es geht um eine Erz&#228;hlung von Selbstbestimmung und Gerechtigkeit, die Konsistenz einfordert, die ein Stachel ist und die Sinne sch&#228;rft, f&#252;r das, was vorgeht in der Welt.<br />
Wie k&#246;nnte eine gr&#246;&#223;ere Erz&#228;hlung von Gerechtigkeit und Selbstbestimmung aussehen, die weder nostalgisch im Gestern schwelgt noch den Menschen eine Geschichte &#252;berst&#252;lpt, die nichts mit ihrer eigenen zu tun hat. Eine solche Erz&#228;hlung muss berichten, wo man her kommt, sie muss beschreiben, wo man steht, und sie muss ausblicken, wo es hingeht.<br />
Sie muss also erstens den Mut haben, von den eigenen Erfahrungen zu berichten und diese zu bewerten. Das gilt f&#252;r die l&#228;ngeren Entwicklungslinien, f&#252;r die gro&#223;en Br&#252;che und Umbr&#252;che. Das gilt mit Blick auf die Gr&#252;nen aber auch f&#252;r die j&#252;ngste Vergangenheit der Regierungserfahrung von 1998 bis 2005.<br />
Sie muss zweitens den Mut haben zur erkennbaren Verortung &#8211; in den konkreten Konzepten, aber auch in den grundlegenden Werten und Motiven. F&#252;r eine gr&#246;&#223;ere Erz&#228;hlung reicht es in keiner Weise aus, dem reinen Pragmatismus zu entkommen. Es bedarf vielmehr einer kontroversen, streitbaren Verortung in der nur scheinbar konsensualen Welt der „Werte“. Der politische Rekurs auf die Notwendigkeit einer „Werteorientierung“ ist inzwischen zur hohldrehenden Leerformel geworden, zur Nebelkerze der eigenen Ratlosigkeit. Denn erst wenn man im Universum m&#246;glicher „Werte“ streitbar benennt, welche der eigenen Politik eine Richtung geben sollen, und welche nicht, in welcher Interpretation und Anordnung, und in welcher nicht, wird aus dem Blendwerk eine erkennbare Position, von der aus sich etwas erz&#228;hlen l&#228;sst. „Werte“ zu haben ist kein Wert an sich. Und das Etikett „werteorientiert“ ist auch nicht geeignet, um damit spezifische und hoch strittige Weltbilder zu kaschieren &#8211; ein beliebter semantischer Trick gerade bei Konservativen, die sich offenkundig gar nicht vorstellen k&#246;nnen, dass es noch andere Werteanordnungen und politische Weltbilder gibt, als die eigenen.<br />
Streitbarkeit ist hinsichtlich der Jetzt-Zeit nicht nur mit Blick auf die normative Ebene der Werte unabdingbar, sondern auch mit Blick auf die Beschreibung der sozialen Realit&#228;t. Auch hier wird oft &#8211; unter Hinzuziehung der immer gleichen Schlagw&#246;rter &#8211; ein Konsens angenommen, anstatt sich in dem diversen und auch widerspr&#252;chlichen Spektrum der Klassen-, Schichten- und Sozialanalysen zu verorten. Diese Verortung ist aber notwendig, um einen eigenen Blick auf die Welt zu werfen.<br />
Und schlie&#223;lich drittens erfordert sie den Mut, die politische Erz&#228;hlung in die Zukunft weiter zu schreiben, in Anerkennung ihrer Unsicherheiten und Unw&#228;gbarkeiten, aber doch mit der Courage zu Konzepten und Vorschl&#228;gen, wie es weiter gehen soll.<br />
Und wie k&#246;nnte eine Erz&#228;hlung f&#252;r Europa oder gar f&#252;r die Welt aussehen, wenn sie uns schon im Nahbereich solche Schwierigkeiten bereitet? In wieweit lassen sich diese Erz&#228;hlungen &#252;berhaupt (noch) trennen? F&#252;r ein vollst&#228;ndiges Narrativ ist der nationale Bezugsrahmen heute v&#246;llig unzureichend. Das macht die Aufgabe nicht leichter.<br />
Zu einer gemeinsamen Erz&#228;hlung wird sie nur, wenn sie sich vom Bild von Sender und Empf&#228;nger l&#246;st, wenn sie im Gespr&#228;ch erz&#228;hlt wird. Eine politische Erz&#228;hlung, die sich an alle richtet, darf nicht zu abstrakt sein, darf sich aber auch nicht auf ein thematisches Segment oder eine Klientel zur&#252;ckziehen. Sie erfordert im politischen Raum Begriffe und Bilder die verst&#228;ndlich sind, ohne sich anzubiedern. Sie verlangt eine gewisse Einfachheit und Klarheit, ohne verk&#252;rzend bzw. einf&#228;ltig zu sein oder zu behaupten, alles erkl&#228;ren zu k&#246;nnen. Sie erfordert Raum f&#252;r Interpretation und Fantasie, aber gleichzeitig muss sie in den Grundz&#252;gen konsistent sein. Sie erfordert Reflexion und Beharrlichkeit, also Dinge, mit denen der aktuelle Politikbetrieb seine Schwierigkeiten hat.</p>
<h4>2. Suche nach Stoffen</h4>
<p>Bei aller Unsicherheit und Unklarheit: Es gibt zaghafte Ans&#228;tze gr&#246;&#223;erer politischer Erz&#228;hlungen. „Gerechtigkeit durch mehr Freiheit“ war der Kernslogan f&#252;r den bisherigen CDU-Grundsatzprogramm-Prozess und zierte eine Zeit lang jedes Rednerpult der Parteivorsitzenden Angela Merkel. Dieser „Plot“ bildete in gewisser Weise auch die Blaupause der Union f&#252;r den Bundestagswahlkampf 2005 und dahinter stand eine klare wirtschaftsliberale Haltung, die versuchte, sich auch noch den Begriff der Gerechtigkeit anzueignen bzw. diesen umzuschreiben. Dass das alles nicht gut zur diagnostizierten sozialen Verunsicherung der „Unter-“ und „Mittelschichten“ passte, zeigte sich dann im Wahlergebnis und wurde im Anschluss revidiert. Aber immerhin: Es war der Ansatz einer Erz&#228;hlung.<br />
Die SPD weigerte sich im Bundestagswahlkampf 2005 &#252;berhaupt noch etwas zu erz&#228;hlen. Von der eigenen, rot-gr&#252;nen Geschichte distanzierte man sich, und eine andere Erz&#228;hlung hatte man nicht in petto. Ein – wenn auch nicht umgesetzter – Ansatz w&#228;re die Figur der „solidarischen Mitte“ aus dem Bundestagsprogramm gewesen, die immerhin anders als die Formel von der „neuen Mitte“ eine Mittelschichtspolitik mit dem Ansatz einer Integration aller in die sozio&#246;konomische Mitte verband. Ein weiterer Ansatz findet sich in der Kernformulierung des Entwurfs f&#252;r ein neues Grundsatzprogramm vom „vorsorgenden Sozialstaat“. Hier wiederum wird der Sozialstaats-Gedanke mit der Nachhaltigkeit zusammengeschlossen – ein f&#252;r die Sozialdemokratie ungewohntes, aber f&#252;r eine neue sozialdemokratische Erz&#228;hlung durchaus aussichtsreiches Unterfangen. Schade nur, dass die SPD mit dem Parteivorsitzenden Beck einen „Erz&#228;hler“ hat, zu dem dieser Stoff einfach nicht passt. Insofern ist es konsequent, dass er sich daran erst gar nicht versucht.<br />
Und die Gr&#252;nen? Auch hier tut man sich schwer – und doch finden sich einige gute Expoées, die weitergef&#252;hrt werden m&#252;ssten. Mit dem Begriff der „Erweiterten Gerechtigkeit“ gibt es einen hervorragenden Begriff f&#252;r das ideelle Zentrum gr&#252;ner Politik, aus dem aber noch keine Erz&#228;hlung geworden ist. Der gr&#252;ne Anspruch ist reklamiert, Gerechtigkeit mit Selbstbestimmung zu verbinden und mit Blick auf die neuen sozialen Lagen und Bedrohungen neu auszurichten. „Erz&#228;hlt“ ist dieser Stoff noch nicht, weder mit Blick auf die soziale Bedrohung durch den Klimawandel, noch mit Blick auf die neuen Formen sozialer Exklusion in unserer Gesellschaft, noch mit Blick auf die globale Transformation.<br />
Andere Vorschl&#228;ge f&#252;r die gr&#252;nen Erz&#228;hlung liegen in einem „radikalen Realismus“ als Haltung zu den gro&#223;en Transformationen der Gegenwart, in der Proklamation des Begriffs der „&#214;ffentlichen G&#252;ter“ oder auch der „Commons“, in der Forderung nach einer „Neuen Institutionenpolitik“ („Institution matters“) und dem damit verbundenen Verweis auf das „Skandinavische Modell“, in der unbestimmten Formel der „Teilhabe“ oder in dem unbestimmten und normativ fragw&#252;rdigen Narrativ der „Mitte“.<br />
Auf einer konkreteren Ebene feiert die Figur der „Grundeinkommens“ gerade im gr&#252;nen Milieu eine gewisse Renaissance bei der Suche nach der gr&#252;nen Erz&#228;hlung. Dieses Motiv ist nicht neu, sondern kann auf eine Jahrzehnte lange Ideengeschichte zur&#252;ck blicken. Und doch scheint es derzeit – nach &#252;ber einem Jahrzehnt weitgehender Abstinenz – f&#252;r einen Teil der Gr&#252;nen die richtige Ingredienz, um das erz&#228;hlerische Fantasma in der Nachregierungs-&#196;ra zu befl&#252;geln. Bis hin zum neunen politischen „Erweckungserlebnis“ mit allem dazugeh&#246;rigen Missionarstum. Und dies obgleich es in den unterschiedlichsten Gestalten und aus den unterschiedlichsten Lagern auftaucht. Von seinem neoliberalen „Erfinder“ Milton Friedmann bis zur linksradikalen Tradition von Gorz bis Engler. Vom Paradigma der „Kulturgesellschaft“ &#252;ber den Drogerie-Unternehmer G&#246;tz Werner bis zum „B&#252;rgergeld“ von Althaus oder der FDP.<br />
Im Kontrast dazu steht der Begriff der „Grundsicherung“, und auch hierum versammeln sich zahlreiche Gr&#252;ne. Konzepte der „Grundsicherung“ zielen ebenfalls auf eine Strategie der individuellen Absicherung unter Bedingungen von Armutskreisl&#228;ufen und Prekarit&#228;t, sind jedoch breiter angelegt, da sie neben der Frage individueller Transfers auch die institutionellen Elemente sozialer Sicherheit einbeziehen und zugleich die Forderung der „Bedingungslosigkeit“ von Sozialtransfers  in Frage stellen oder zumindest differenzieren.<br />
Ziel der folgenden Ausf&#252;hrungen ist es &#8211; sozusagen einige Stufe unter den wichtigen aber abstrakten &#220;berlegungen zum Begriff der Erweiterten Gerechtigkeit &#8211; einige andere Motive einer m&#246;glichen gr&#252;nen Erz&#228;hlung auf ihrer Tragf&#228;higkeit zu untersuchen. Ausgangspunkt ist dabei ein Blick auf den Begriff des „&#214;ffentlichen Guts“ bzw. der Proklamation eines „Vorrangs der &#246;ffentlichen G&#252;ter“. Hierbei geht es zun&#228;chst darum, einen im politischen Raum sehr vagen und zugleich hoch suggestiven Begriff sinnvoll zu bestimmen. Dies m&#252;ndet mit Blick auf die Analysen der sozialen Lagen in unserer Gesellschaft in eine Unterscheidung zwischen „individuellem Transfer“ und „institutionellem Transfer“, ohne die sich die Konsequenzen der Forderung nach einem „Vorrang &#246;ffentlicher G&#252;ter“ nicht beschreiben lassen. Daraus wiederum werden einige R&#252;ckschl&#252;sse auf Tragf&#228;higkeit und Grenzen von „Grundsicherung“ und „Grundeinkommen“ als Stoff einer gr&#252;nen Erz&#228;hlung gezogen.</p>
<h4>3. Was ist ein „&#214;ffentliches Gut“?</h4>
<p>Greifen wir also einen Erz&#228;hlfaden gr&#252;ner Politik auf und schauen, was sich daraus machen l&#228;sst: Die Geschichte von der Bedeutung oder auch vom Vorrang „&#246;ffentlicher G&#252;ter“ bzw. von „Commons“, wie man im internationalen Raum – mit anderer Akzentuierung – sagen w&#252;rde. &#214;ffentliche G&#252;ter, das klingt gut, das klingt nach Gemeinwohl und Vergesellschaftung und nach einem einigerma&#223;en klaren Begriff, auf den man eine politische Erz&#228;hlung aufbauen kann. Aber was meinen wir eigentlich genau, wenn wir von einem &#246;ffentlichen Gut sprechen? Bei genauerer Betrachtung verwandelt sich die vermeintliche Klarheit schnell in Verwirrung.<br />
Seinen Ursprung hat der Begriff des „&#214;ffentlichen Guts“ in den Wirtschaftswissenschaften. Von dort aus wurde er schnell auch ausschlaggebend f&#252;r Teile des &#246;ffentlichen Rechts. Nach der herrschenden Meinung in wirtschaftswissenschaftlichen Theorie l&#228;sst sich ein „&#246;ffentliches Gut“ entweder kumulativ oder alternativ durch die Merkmale der Nichtausschlie&#223;barkeit und der Nichtrivalit&#228;t im Konsum definieren. Ein solches Gut kann nach dieser Bestimmung ohne Beeintr&#228;chtigung der einzelnen Nutzer von vielen gleichzeitig genutzt werden, so dass es unm&#246;glich oder ineffizient ist, weitere Nutzer auszuschlie&#223;en. Ursache der Nichtausschlie&#223;barkeit seien technische Effekte, die nicht durch entsprechende Marktmechanismen widergespiegelt werden.<br />
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass in den angesprochenen Wissenschaften als typische &#246;ffentliche G&#252;ter etwa die innere Sicherheit, die Rechtsordnung, das W&#228;hrungssystem, Staatsfunktionen wie Polizei, Justiz, Gesetzgebung oder die Landesverteidigung angesprochen werden und keineswegs jene G&#252;ter, die im politischen Raum unter dem Rubrum „&#246;ffentliches Gut“ verhandelt werden, wie etwa Kinderbetreuung, Bildung, Wasserversorgung oder &#228;hnliches. Letztere sind n&#228;mlich – bei allen Querverbindungen &#8211; sehr wohl ausschlie&#223;bar und unterliegen auch der Rivalit&#228;t im Konsum. Selbst mit Blick auf so unteilbare Dinge, wie etwa das Klima stellt sich bei genauerer Betrachtung heraus, dass etwa Umweltbedingungen und Umweltbelastungen durch die Klimasituation sehr wohl verteilbar sind, nach geographischer Lage, nach „arm“ und „reich“ o.&#228;. Darin liegt ja gerade ein Grund f&#252;r die Notwendigkeit, die Klimadebatte mit der Gerechtigkeitsfrage zu verbinden, wie es die Formel vom „Klima der Gerechtigkeit“ zum Ausdruck bringt.<br />
Im politischen Raum muss also etwas anderes gemeint sein, wenn es sich dabei tats&#228;chlich um einen einigerma&#223;en trennscharfen Begriff handeln soll, und nicht nur um rhetorisches Blendwerk. Sinnvollerweise gemeint sind mit der Rede vom &#246;ffentlichen Gut wohl Grundg&#252;ter, von denen wir annehmen und f&#252;r die wir begr&#252;nden k&#246;nnen, dass Teilhabe an ihnen jeder und jedem offen stehen sollte. Eine Spezifizierung dieser G&#252;ter folgt freilich starken normativen Annahmen und ist zudem ab einem bestimmten Punkt von den subjektiven Bedeutungszuschreibungen an G&#252;ter durch die Individuen selbst abh&#228;ngig, und damit auch von den jeweiligen sozialen und kulturellen Kontexten der Zeit. (Das Gut „Arbeit“ beispielsweise hatte zu unterschiedlichen Epochen nicht nur sehr unterschiedliche Bestimmungen, sondern auch sehr unterschiedliche Bedeutungszuschreibungen. Daran zeigt sich die Situiertheit &#246;ffentlicher G&#252;ter in einem bestimmten Kontext.)<br />
Definiert man &#246;ffentliche G&#252;ter als Grundg&#252;ter, an denen alle teil haben sollen, so stehen an erster Stelle ganz basale Anspr&#252;che wie das Recht, &#252;berhaupt Rechte zu haben, die grundlegenden Menschenrechte, Demokratie und Mitspracherechte, aber auch grundlegende Ressourcen wie Nahrung, Wasser oder ein Dach &#252;ber dem Kopf. All das aber taucht scheinbar paradoxerweise in der bundesrepublikanischen Debatte um &#246;ffentliche G&#252;ter ebenfalls nicht auf. Der Grund ist nicht, dass es sich dabei nicht um &#246;ffentliche G&#252;ter handelt, sondern dass uns der Zugang zu diesen G&#252;tern offenkundig so selbstverst&#228;ndlich erscheint, dass sie gar nicht mehr genannt werden.<br />
Im Zentrum der Rede von „&#246;ffentlichen G&#252;tern“ stehen vielmehr offensichtlich gerade die G&#252;ter, deren Status umstritten ist. G&#252;ter, von denen man meint, explizit sagen zu m&#252;ssen, dass es sich dabei um „&#246;ffentliche“ handelt, weil das Teile der Gesellschaft anders sehen. In diesen Bereichen ist es jedoch gleichzeitig besonders schwer zu beschreiben was genau gemeint ist, wenn wir etwas als „&#246;ffentliches Gut“ bezeichnen. Also zum Beispiel: welche Bildungsm&#246;glichkeiten, oder welche Arbeitsm&#246;glichkeiten &#8211; und bis zu welchem Grad.<br />
Gerade im gr&#252;nen Milieu scheint die Versuchung gro&#223;, den Begriff des „&#246;ffentlichen Guts“ m&#246;glichst weit zu fassen. (Eine &#228;hnliche Psychologie greift im Diskurs um die Interpretation der Menschenrechte, in dem man auch am Liebsten jeden sinnvollen Anspruch zum Menschenrecht erkl&#228;ren w&#252;rde). Das Problem dieser weiten Auslegungen liegt jedoch darin, dass die normativ wichtigen Begriffe „schw&#228;cher“ werden, wenn man sie zu „weit“ fast. Wenn alle G&#252;ter „&#246;ffentliche G&#252;ter“ sind, ist am Ende keines mehr eins. (Und wenn alle Rechte „Menschenrechte“ sind, ist am Ende ebenfalls keines mehr eins.) Die Durchschlagskraft politisch-moralischer Kategorien bezieht sich gerade daraus, dass ihr Kern erkennbar bleibt und sie nicht bis zur Unkenntlichkeit „gestreckt“ werden. Das ist auch wichtig, wenn eine gr&#252;ne Erz&#228;hlung gelingen soll.</p>
<h4>4. Hoheitliche und marktf&#246;rmige Gew&#228;hrleistung</h4>
<p>Wenn wir nun etwas klarer haben, was ein „&#246;ffentliches Gut“ auszeichnet bleibt die Frage, was im politischen Raum eigentlich daraus folgt.<br />
Eine Annahme, die mitunter mit dem Status eines Guts als „&#246;ffentlich“ verbunden wird, ist die Notwendigkeit der staatlichen Erbringung und eine entsprechende Fassung als hoheitliche Aufgabe. Aus den Kriterien der Nichtausschlie&#223;barkeit bzw. Nichtrivalit&#228;t wird geschlussfolgert, dass mit Blick auf &#246;ffentliche G&#252;ter der Markt versagen muss, da hier das Spiel von Angebot und Nachfrage au&#223;er Kraft gesetzt ist.<br />
Mit Blick auf die vorgeschlagene Definition des „&#214;ffentlichen Guts“ jenseits von Nichtausschlie&#223;barkeit und Nichtrivalit&#228;t l&#228;sst sich jedoch dieser R&#252;ckschluss von der „&#214;ffentlichkeit“ eines Guts auf seine staatliche Erbringung nicht Aufrecht erhalten. Selbst die „klassisch“ hoheitlichen Bereiche erbringen bei sorgf&#228;ltiger Abgrenzung der darin zusammengefassten Angebote jedenfalls zum Teil Leistungen, die unter entsprechenden ordnungspolitischen Bedingungen auch von Privaten angeboten werden k&#246;nnen. F&#252;r die Frage, ob und in wie weit ein &#246;ffentliches Gut durch den Staat zu erbringen ist bzw. sinnvoller Weise durch den Markt, h&#228;ngt vielmehr von der &#246;konomischen, sozialen und auch kulturellen Bedingung einer Gesellschaft ab und von den ordnungspolitischen Arrangements, f&#252;r die sie sich entscheidet. Grundlegende knappe Ressourcen wie Brot oder Butter wurden beispielsweise unter bestimmten Bedingungen strikt hoheitlich verwaltet, um ein Minimum f&#252;r alle zu gew&#228;hrleisten. Heute werden sie in unserer Gesellschaft unproblematisch &#252;ber den Markt zur Verf&#252;gung gestellt. Stattdessen stellt sich mit Bezug auf andere G&#252;ter die Frage nach dem politischen Arrangement zwischen Staat und Markt. In der Bildung, in der Umweltfrage, aber auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt.<br />
Auch wird aus dem Status des „&#246;ffentlichen Guts“ mitunter die Notwendigkeit einer Gew&#228;hrleistung ohne Gegenleistung gefolgert. Doch auch diese Schlussfolgerung erweist sich als haltlos, wenn wir ber&#252;cksichtigen, dass selbst basale Ressourcen wie Nahrung, Kleidung oder Wohnung unproblematisch mit einer Gegenleistung in Form von Bezahlung verbunden sein k&#246;nnen, soweit der Empf&#228;nger zu dieser Gegenleistung in der Lage ist. Gemeint ist also zun&#228;chst einmal nur die Notwendigkeit einer „B&#252;rgschaft“ des Staates, die unter Bedingungen von Mittellosigkeit greift.<br />
Gleichwohl hat diese staatliche „B&#252;rgschaft“ f&#252;r &#246;ffentliche G&#252;ter weitreichende Konsequenzen f&#252;r Selbstverst&#228;ndnis und Aufgabenbeschreibung des Staates. Der Staat &#8211; und damit die Demokratie &#8211; sind verantwortlich f&#252;r die Gew&#228;hrleistung &#246;ffentlicher G&#252;ter. Dabei steht ihm die Entscheidung offen, ob er dieses Ziel marktf&#246;rmig &#252;ber eine entsprechende Ordnungspolitik erreichen will oder unmittelbar staatlich oder ob gar kein Handlungsbedarf besteht, weil der Zugang zu einem &#246;ffentlichen Gut bereits auf der Grundlage geltender Arrangements besteht.<br />
Dabei unterliegt es &#252;ber die festgeschriebenen Menschen- und B&#252;rgerrechte hinaus dem demokratischen Diskurs, welchen G&#252;tern eine Gesellschaft den Status eines „&#246;ffentlichen Guts“ zuweisen will und auf welchem Weg sie die Gew&#228;hrleistung dieses Guts f&#252;r alle erbringen will. Deshalb ist die Debatte um &#246;ffentliche G&#252;ter eng mit der Frage der Demokratie verkoppelt. Eine Politik der &#246;ffentlichen G&#252;ter braucht den Mut zum offenen Austragen der mitunter kontroversen Grundannahmen und manchmal auch komplexen Abw&#228;gungsfragen, die sich bei der Bestimmung und Gew&#228;hrleistung eines &#246;ffentlichen Guts stellen. Die Neigung mancher, diese Fragen der Bestimmung und Gew&#228;hrleistung als Frage von Menschen- oder B&#252;rgerrechten weitgehend aus dem demokratischen Prozess auszublenden und unmittelbar zu Rechtsfragen zu erkl&#228;ren, die man am Besten direkt beim Bundesverfassungsgericht einklagt, ist vor diesem Hintergrund nicht nur falsch, sondern auch alles andere als „republikanisch“. Anstatt in der demokratischen Auseinandersetzung zu streiten, werden so letztlich Gr&#252;nde und Argumente verweigert.</p>
<h4>5. Zweierlei Ausschluss</h4>
<p>Wenn wir nun fragen, welche Politiken, welche Strategien, und auch: welche Erz&#228;hlungen, notwendig sind, um den Menschen die reale Teilhabe an den &#246;ffentlichen G&#252;ter zu gew&#228;hrleisten, ist unabdingbar, die konkrete soziale Situation der Menschen genauer zu betrachten. Konzepte und Strategien, die sich f&#252;r die objektiven Lagen und die subjektiven Begehren der Menschen, auf die sie zielen, nicht interessieren, k&#246;nnen nicht gelingen. Mehr noch: Sie richten sich gegen die Individuen, in deren Namen gesprochen wird. In den letzten Jahren hatten wir eine Vielzahl von Studien und Analysen, die sich mit den sozialen Lagen und der sozialen Entwicklung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft befasst haben. Und auch wenn viele Daten noch fehlen und viele damit verbundene Interpretationen unhaltbar sind, so haben wir doch eine Grundlage, um genauere Aussagen zu treffen, wie soziale Ausschluss in verschiedenen Teilen der Gesellschaft funktioniert. Die Rede von der „sozialen Frage“, von „Exklusion“ und „Armut“ wird in der politischen Debatte nach wie vor sehr pauschal und eigentlich ohne echtes Interesse f&#252;r die Betroffenen gef&#252;hrt wird. Aus Subjekten werden so Objekte gemacht, die ohne Blick auf die Welt in die falsch gestanzten Schablonen gezw&#228;ngt werden.<br />
F&#252;r eine Strategie der „&#246;ffentlichen G&#252;ter“ wie auch einer darauf aufbauenden „Grundsicherung“ kommt es mindestens darauf an, zwei sehr grundlegende Mechanismen von Exklusion und damit zwei sehr unterschiedliche Gruppen zu unterscheiden. Auf der einen Seite gibt es eine wachsende Zahl an „Armutskarrieren“, in denen sich Bildungs- und Einkommensarmut von Generation zu Generation vererbt. F&#252;r diese Gruppe – abgekoppelt von Bildung und Mobilit&#228;t – beruht die Exklusion auf einer strukturellen Unterprivilegierung, die dann paternalistisch mit den Begriff „Unterschicht“ oder gar „Unterklasse“ belegt wird. Auf der anderen Seite gibt es eine wachsende Zahl von Menschen, die gut gebildet und hoch mobil sind, aber gleichwohl – oder gerade deshalb &#8211; mit einer hohen sozialen „Prekarit&#228;t“ konfrontiert sind. Einkommensphasen wechseln hier mit Arbeitslosigkeit, auf das Gro&#223;projekt folgt der Taxi-Job und viele finden nie den Ausweg aus der Praktikums-Falle. (Hinzu kommt die Angst derer, die gar nicht ausgeschlossen sind, sich jedoch von Ausschluss bedroht f&#252;hlen.) Dahinter stehen v&#246;llig andere Situationen und andere Milieus.<br />
Nat&#252;rlich gibt es zwischen diesen beiden sozialen Lagen zahlreiche Mischformen und es gibt weitere Faktoren, wie beispielsweise Alleinerziehungsverantwortung, Pflegeverantwortung, Alter, Sprachschwierigkeiten, Behinderung oder Krankheit, die in Kombination mit anderen Faktoren zu Mechanismen des sozialen Ausschlusses f&#252;hren k&#246;nnen. Gleichwohl ist es wichtig festzuhalten, dass es zwischen einem stabilen Ausschluss auf Grund von Armutsvererbung und Bildungsarmut und einem prek&#228;ren Ausschluss trotz hoher Mobilit&#228;t und guter Bildung erhebliche Unterschiede gibt.<br />
Eine Politik, die sich um die grundlegenden Unterschiede dieser Exklusions-Lagen nicht schert, die zu dieser Differenzierung nicht in der Lage ist, wird keinem helfen. Weder den „H&#228;ngengebliebenen“ noch den „Prek&#228;ren“. Mehr noch: Sie ist letztlich zur Klientelpolitik verdammt. Denn wer beispielsweise unterstellt, die sozialen Probleme des mobilen, gebildeten Prekariats (etwa aus gr&#252;nen Milieus) seien auf alle verallgemeinerbar, macht am Ende eben doch nur Politik f&#252;r die eigene Klientel. Das gilt auch umgekehrt: Wer so tut, als w&#228;re die einzige soziale Gef&#228;hrdungslage in der sog. klassischen „Unterschicht“ zu finden (wie das etwa in der Linkpartei und Teilen der SPD unterstellt wird), der interessiert sich offenkundig auch nur f&#252;r soziale Fragen des eigenen Milieus. Von einer Politik der Gerechtigkeit kann jedoch nur die Rede sein, wenn sie  &#8211; unabh&#228;ngig von der eigenen Parteiklientel &#8211; die Kraft zur Parteinahme f&#252;r Schw&#228;chere aufbringt, ganz gleich in welchen Milieus sie sich finden lassen.</p>
<h4>6. Institutionelle und individuelle Transfers</h4>
<p>Verfolgt man nun die Konsequenzen einer solchen Unterscheidung von Lebenslagen weiter, so st&#246;&#223;t man auf eine weitere Unterscheidung &#246;ffentlicher G&#252;ter. Es wird deutlich, dass sich bestimmte &#246;ffentliche G&#252;ter nur in einem gesellschaftlich koordinierten, solidarischen Akt f&#252;r alle generieren lassen, w&#228;hrend andere durch einzelne Privatanbieter f&#252;r alle generierbar sind. Trinkwasser ist eine lebensnotwendige Ressource, die aber in der Bundesrepublik momentan auch &#252;ber Privatanbieter f&#252;r alle erwerblich ist. (Das ist in anderen Regionen der Welt ganz anders, und auch hier sieht man wieder die Situiertheit eines &#214;ffentlichen Guts und ihre Konsequenzen f&#252;r die Gew&#228;hrleistung). Bildung hingegen ist ein Gut, das f&#252;r alle nur &#252;ber den Zugang zu einer koordinierten Bildungsinstitution generiert werden kann. Zwar k&#246;nnen sich nat&#252;rlich die Reichen und Wohlhabenden zusammentun, und sich ihre eigene Bildungseinrichtung schaffen. Als &#246;ffentliche Institution, in denen ein &#246;ffentliches Gut allen zur Verf&#252;gung steht, ist dies aber allein &#252;ber eine individuelle, monet&#228;re Koordination nicht m&#246;glich. Hier erfordert es eine andere Art der koordinierten, solidarischen Investition in &#246;ffentliche Institutionen.<br />
Gerade grundlegende ideelle G&#252;ter wie etwa Bildung oder Gesundheit setzen aber h&#228;ufig genau einen solchen institutionellen Akt voraus. (Und es ist zu fragen, in wie weit das auch f&#252;r Institutionen der Arbeit gilt). W&#228;hrend es bei der prek&#228;ren Mittelschicht eher darum geht, die bereits erreichten institutionellen Vorteile in eine entsprechende Lebenspraxis umzusetzen, ist mit Blick auf die soziale Exklusion der bildungsarmen, stetig Ausgeschlossenen genau ein Ausschluss von jenen G&#252;tern festzustellen, die nur &#252;ber eine Politik der Institutionen zu gew&#228;hrleisten sind. Ohne ein Bewusstsein f&#252;r diese Institutionen bleibt Freiheit f&#252;r diese Menschen ein leeres Versprechen, denn es fehlt die gute Schule auf die man auch gehen kann, der Arzt, der einen auch versorgt, und das Arbeitsamt, das auch wirklich unterst&#252;tzt.<br />
Hierin liegt die tiefe gerechtigkeitspolitische Bedeutung der Parole „Institution Matters!“. Gesellschaftliche Solidarit&#228;t zeigt sich im Umgang mit den Institutionen, auf die die Menschen angewiesen sind, um an &#246;ffentlichen G&#252;tern teil zu haben. &#214;ffentliche Institutionen sind wichtig.<br />
Auch aus diesem Pl&#228;doyer f&#252;r &#246;ffentliche, allgemein zug&#228;ngliche Institutionen folgt nicht zwingend eine rein hoheitliche Handlungsform, da die Gew&#228;hrleistung unter Umst&#228;nden auch &#252;ber private Tr&#228;ger gesteuert werden kann. &#214;ffentliche Institutionen m&#252;ssen nicht zwingend staatlich sein. Es erfordert jedoch die staatliche Gew&#228;hrleistung dieser Institutionen, ihrer Qualit&#228;t, entsprechender Zugangsrechte, wie auch ihrer finanziellen Absicherung. Da hier also in jedem Fall eine gro&#223;e staatliche Koordinierungsleistung gefordert ist, ist der hoheitliche Anteil bei der Gew&#228;hrleistung solcher Institutionen in jedem Fall gro&#223;, selbst wenn der Tr&#228;ger ein Privater sein sollte oder die Binnensteuerung modernen Management-Ans&#228;tzen folgt.<br />
Gerade in dieser Hinsicht ist das skandinavische Modell mit seinem Arrangement von &#246;ffentlichem Dienstleistungssektor und Steuerpolitik hoch interessant. So sind qualitative Dienstleistungen in Bereichen wie Bildung oder Gesundheit f&#252;r alle zug&#228;nglich, und nicht nur f&#252;r die, die sich&#8217;s leisten k&#246;nnen. Wenn Steuereinnahmen in Dienstleistungen wie Bildung oder Betreuung „ausgezahlt“ werden, hei&#223;t das aber auch, dass es weniger Bares gibt, solange kein Bedarf festgestellt ist. Die Statussicherung nimmt also ab, die soziale Grundsicherung zu.<br />
Aus dem ideellen Zentrum von Gerechtigkeit und Selbstbestimmung ergibt sich also vor dem Hintergrund der beschriebenen sozialen Realit&#228;t die Dringlichkeit institutioneller Investitionen als kollektiver Akt der Gew&#228;hrleistung grundlegender, &#246;ffentlicher G&#252;ter. Das muss zum Bestandteil der „gr&#252;nen Erz&#228;hlung“ werden, wenn diese sich nicht nur an das eigene Milieu adressieren, sondern zum Anwalt der sozial Schw&#228;cheren werden will. Gerade als Partei der einkommensstarken und gebildeten Mittelschicht k&#246;nnen die Gr&#252;nen die Kraft zu diesem Akt der Solidarit&#228;t aufbringen.</p>
<h4>7. &#214;ffentliche G&#252;ter und Grundsicherungs-Modelle</h4>
<p>Geht man nun einen Schritt weiter und fragt nach der Bedeutung der bisherigen Erz&#228;hlung f&#252;r die aktuelle Debatte um Grundsicherung bzw. Grundeinkommen, so st&#246;&#223;t man auf ein weites Feld von Anschlussfragen. In jedem Fall folgt aus den bisherigen &#220;berlegungen nicht, dass &#220;berlegungen der Grundsicherung im Sinne von neuen Arrangements des individuellen Transfers falsch sind. Es verbietet sich jedoch zumindest eine Vereinseitigung von Reformans&#228;tzen zugunsten von Formen des Individualtransfers. L&#228;sst man sich auf einen Abw&#228;gungsprozess hinsichtlich der Mittelverteilung unter Bedingungen limitierter Ressourcen ein, hinter dem einschl&#228;gige Milieuinteressenstehen, so kommt es am Ende wohl darauf an, wie viel an Gew&#228;hrleistung &#252;ber individuellen Transfer m&#246;glich ist, nach dem die grundlegenden institutionellen Gew&#228;hrleistungen erfolgt sind.<br />
Wer sich dieser Abw&#228;gung verweigert und sie als „zu wenig radikal“ zur&#252;ckweist hat nicht verstanden was „Radikalit&#228;t“ in Moral und Politik sinnvoller Weise bedeuten muss: Sich unter Bedingungen beschr&#228;nkter Ressourcen zu entscheiden. Unter den irrealen Bedingungen unbeschr&#228;nkter Ressourcen br&#228;uchte es vermutlich weder der Politik, noch des Rechts, vielleicht sogar nicht einmal der Moral. Radikalit&#228;t aber, die in diesem irrealen Raum verharrt, die nicht von dieser Welt ist, bleibt entweder auf dem Papier oder richtet sich im Moment ihrer Realisierung gegen die Subjekte der vermeintlichen F&#252;rsorge.<br />
Es sind grunds&#228;tzliche, idealistische Gr&#252;nde, die eine Aussage verlangen, was man in Folge einer Entscheidung bereit ist, an anderer Stelle zu unterlassen. Diese Abw&#228;gung und damit auch die Benennung von Zahlen ist deshalb nicht nur Beiwerk, sondern steht mit im Zentrum der politisch-moralischen Legitimation. Und die Zahlen, die wir bei aller Varianz bislang kennen, machen den Grundeinkommens-Enthusiasmus einiger mit Blick auf die erforderliche Abw&#228;gung von individuellen und institutionellen Transfers nicht gerade plausibler.</p>
<h4>8. Ende der Erwerbsarbeit?</h4>
<p>Eine These, die den meisten Konzepten eines Grundeinkommens zu Grund liegt, besteht in der Feststellung einer Unm&#246;glichkeit, die strukturelle (Erwerbs-)Arbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft nochmals zu &#252;berwinden. In dem Ziel der Vollerwerbs-Gesellschaft liege die eigentliche Realit&#228;tsverweigerung. Zwar k&#246;nne sich die Arbeitslosigkeit je nach Konjunktur und Arbeitsmarkt-Strategien erh&#246;hen oder senken, der Grundtatbestand struktureller Massenarbeitslosigkeit aber bleibe in jedem Fall bestehen.<br />
Es bedarf noch nicht einmal des Blicks in andere L&#228;nder, um zu erkennen, dass diese Hypothese falsch ist. (Die Erwerbsquote in anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern ist wesentlich h&#246;her als bei uns). Schon eine noch abstrakte arbeitmarktpolitische &#220;berlegung zeigt, dass die M&#246;glichkeit einer gravierenden Senkung der Arbeitslosigkeit etwa durchaus m&#246;glich ist, wenn man bereit ist, einen entsprechenden Preis daf&#252;r zu bezahlen: Billigl&#246;hne, Working-Poor, tiefe Einschnitte in das Sozialsystem und rigide Kontrolle. Die Frage lautet also nicht, ob sich strukturelle Arbeitslosigkeit &#252;berwinden l&#228;sst oder nicht, sondern ob sie sich auf eine Art und Weise &#252;berwinden l&#228;sst, die mit unseren starken Vorstellungen von Selbstbestimmung und Gerechtigkeit vereinbar ist.<br />
Dabei ist zudem zu ber&#252;cksichtigen, dass das Potential an gesellschaftlich sinnvoller Arbeit mit dem Anwachsen der gesellschaftlichen Herausforderungen und Probleme gerade rapide im Bewusstsein steigt. Die Frage, unter welchen Bedingungen wir leben wollen und welche gesellschaftlichen Herausforderungen wir damit verbinden, muss mit der Arbeitsfrage verkoppelt werden. Dabei geht es nicht darum, der Wirtschaft genaue Wachstumsbereiche „vorzugeben“. Wo genau wirtschaftliche Entwicklung stattfindet, entscheidet sich immer auch im wirtschaftlichen Wettbewerb. Es geht aber sehr wohl darum, die gesellschaftlichen Anforderungen an den Arbeitsbedarf der Zukunft zu beschreiben, ja &#252;berhaupt erst zu entdecken, und so &#252;ber die Richtung der staatlichen Unterst&#252;tzung und Flankierung bestimmter Entwicklungen mitzubestimmen. Die Bed&#252;rfnisse einer alternden Gesellschaft, von der Gesundheitspolitik &#252;ber die Pflege bis hin zu einer altersgerechten Kommunalpolitik, markieren ein zentrales Besch&#228;ftigungsfeld der Zukunft. Die erh&#246;hten Bildungsanforderungen einerseits und die gestiegenen Anzahl an Kinderbetreuungsaufgaben andererseits stellen ein zweites entscheidendes Besch&#228;ftigungsfeld dar. Der steigende Druck auf neue Energiequellen, Energieeffizienz und Energieeinsparung f&#252;hren zu einem weiteren Besch&#228;ftigungsfeld, das von gro&#223;er arbeitspolitischer Bedeutung sein wird. Gleiches gilt f&#252;r die L&#246;sung der Mobilit&#228;tsfrage, die ein erhebliches Ma&#223; an Arbeit erfordern wird. Und &#196;hnliches gilt f&#252;r die anderen technologischen Bereiche, in denen Kreativit&#228;t und Innovationsgeist gefragt sind, die sich schlie&#223;lich auch im industriellen Sektor in Form neuer Produkte niederschlagen. Schlie&#223;lich wird bei der Arbeit der Zukunft die Frage des kommunalen Zusammenlebens eine wichtige Rolle spielen, denn hier hat die Gesellschaft ihren konkreten Ort, von der kulturellen und jugendkulturellen Bet&#228;tigung &#252;ber soziale Anlaufstellen bis hin zu Stadtteil- und Infrastruktur-Gestaltung. Neue Besch&#228;ftigungsfelder sind also insbesondere in den Bereichen zu suchen, in denen sich aufgrund ver&#228;nderter gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse neuer Arbeitsbedarf entsteht.<br />
Die Bundesrepublik muss einen qualitativ hochwertigen Dienstleistungssektor aufbauen, in der Bildung, der Gesundheit, der Freizeit, der Mobilit&#228;t, der Infrastruktur. Hier liegt die Bundesrepublik im europ&#228;ischen Vergleich 15% zur&#252;ck. Und hier geht es um keine „einfachen“ Dienstleistungen, sondern irgendwie auch um ein gutes Leben, das es ja in Wahrheit nur im Plural gibt. Es geht um Wissen, um Kommunikation, um Kinder und Alte, also um uns alle. Die L&#228;nder, in denen die Besch&#228;ftigungsquoten erheblich h&#246;her liegen als in Deutschland haben ihre Erfolge insbesondere in diesen Bereichen erzielt, die dem internationalen Wettbewerb weniger ausgesetzt sind. Dazu geh&#246;ren das Gesundheitswesen einschlie&#223;lich der Pflege- und Betreuungsdienste, Bildung und Weiterbildung, Unterhaltung, Freizeit, Sport und Tourismus, Instandhaltung und Instandsetzung, Einzelhandel, Restaurants, Hotels, und so fort. Im Wesentlichen geht es hier also um personenbezogene, soziale Dienstleistungen, die lokal konsumiert und lokal erbracht werden. In den besch&#228;ftigungspolitisch besonders erfolgreichen L&#228;ndern verdankt dieser Bereich sein dynamisches Wachstum zudem der Transformation unbezahlter Haus- und Familienarbeit in bezahlte Erwerbsarbeit. Sie erm&#246;glicht hoch qualifizierten Frauen die Verbindung von Mutterschaft und anspruchsvoller Berufst&#228;tigkeit und erzeugt zugleich die Nachfrage nach Dienstleistungen zu ihrer Entlastung und Unterst&#252;tzung.<br />
Hinzu kommt, dass wir mit Blick auf die globale Transformation der &#214;konomie m&#246;glicherweise vor einer gewissen Renaissance des produktiven Sektors in der Bundesrepublik stehen. So richtig die These von der wachsenden Bedeutung von Wissen und auch Kultur in modernen Gesellschaften ist, so richtig ist auch, dass die Vorstellung einer arbeitsteiligen Welt, in der die einen f&#252;r das Wissen und die anderen f&#252;r das Produzieren zust&#228;ndig sind, auf Dauer nicht funktionieren wird. Der Leitgedanke „Je billiger andere sind, desto besser m&#252;ssen wir sein“ (Horst K&#246;hler), klingt vielleicht beim ersten h&#246;ren gut, ist aber faktisch wie normativ grob irref&#252;hrend. Denn zum einen holen die Schwellen-L&#228;nder, die am Anfang nur Produktionsst&#228;dte und verl&#228;ngerte Werkbank waren, nach und nach das Wissen und das Knowhow nach, wie wir an China oder Indien beobachten k&#246;nnen. Und zum anderen sollten wir diesen Prozess begr&#252;&#223;en und mit unterst&#252;tzen. Alles andere w&#228;re paternalistisch und arrogant. Insofern kommt es f&#252;r unsere Gesellschaft darauf an, das Wissens- und Kulturparadigma mit dem Gedanken eines nachhaltigen, &#246;kologisch und sozial ausgerichteten Produktivsektors neu zu verbinden. (Die Frage der Verg&#252;tung &#252;ber den ersten Arbeitsmarkt stellt sich f&#252;r den Dienstleistungsektor freilich anders als f&#252;r den Produktivsektor und darin liegt ein Grund des skandinavischen Modells, den Bereich qualitativer Dienstleistungen st&#228;rker als steuerfinanzierten oder zumindest mischfinanzierten &#246;ffentlichen Sektor zu fassen.)<br />
In unserer Gesellschaft gibt es viel zu tun und damit ohne Zweifel auch viel Arbeit. Was bleibt, ist die Frage nach der Entlohnung dieser Arbeit und damit nach dem Zusammenhang von Erwerbsarbeit und Anerkennung.</p>
<h4>9. Arbeit und Anerkennung</h4>
<p>Hinsichtlich des Zusammenhangs von Erwerbsarbeit und Anerkennung enthalten die Konzepte des Grundeinkommens ebenfalls eine starke These, n&#228;mlich, dass es den Konnex zwischen Arbeitleistung und finanzieller Entlohnung zu durchbrechen gelte. Kritisiert und attackiert wird eine vermeintlich &#252;berholte Arbeitskultur, in der Einkommen f&#228;lschlicher Weise an Arbeit gekoppelt w&#252;rde. Einkommen w&#252;rde man aber nicht „verdienen“, sondern sei – unabh&#228;ngig von der Arbeitsleistung &#8211; ein „B&#252;rgerrecht“.<br />
Nun l&#228;sst sich in der Tat beobachten, dass sich in bestimmten Milieus der soziokulturellen Mittelschicht der Wunsch nach Annerkennung von Arbeit ein St&#252;ck weit von der Frage der finanziellen Entlohnung entkoppelt hat. Insofern ist es konsequent, dass der Umfang an ehrenamtlicher T&#228;tigkeit in bestimmten Bereichen zugenommen hat. Ebenso unbestreitbar ist aber, dass die Frage der Entlohnung von T&#228;tigkeit nach wie vor tief in die soziale Grammatik von Anerkennung in unserer Gesellschaft eingeschrieben ist. (Gerade im Bereich der Erziehungs- und Familienarbeit, die bislang einseitig zu Lasten der Frauen „ehrenamtlich“ abgewickelt wurde, zeigt sich dieser Konnex zwischen Entlohnung und Anerkennung.) Die Vorstellung diesen Anspruch auf Anerkennung &#252;ber Entlohnung &#8211; sozusagen ex machina &#8211; als kulturellen Irrweg zu brandmarken und au&#223;er Kraft zu setzen, d&#252;rfte nicht nur praktisch unm&#246;glich sein, sondern hei&#223;t auch, die faktischen Anspr&#252;che von Individuen auf Anerkennung zu verweigern.<br />
In diesem Zusammenhang gilt es auch nochmals zu bedenken, worin eigentlich genau die „Anerkennungsleistung“ einer Entlohnung in Geld besteht. Bei aller berechtigten Kritik an der Verselbstst&#228;ndigung von Geld als Fetisch und Selbstzweck im Sp&#228;tkapitalismus, darf nicht &#252;bersehen werden, dass Geld in vielerlei Hinsicht eine Grundvoraussetzung ist, um abstrakte Freiheitsoptionen auch tats&#228;chlich realisieren zu k&#246;nnen, ob es sich dabei um Mobilit&#228;t, kulturelle Zug&#228;nge oder anderes handelt. Diese sehr fundamentale Funktion von Einkommen und Verm&#246;gen pauschal als „oberfl&#228;chlich“ oder „konsumistisch“ zu gei&#223;eln, kann vermutlich nur Milieus einfallen, die so saturiert sind, dass sie die materiellen Grundlagen des eigenen Postmaterialismus aus dem Blick verloren haben.<br />
Auch gibt es einen erkl&#228;rungsbed&#252;rftigen, aber sinnvollen Konnex zwischen Anerkennung durch Entlohnung und Leistung, selbst wenn man die ebenfalls notwendige Frage nach dem Zusammenhang zwischen Leistungsanreizen und Wertsch&#246;pfung noch au&#223;er Acht l&#228;sst. Das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit ist in unserer Gesellschaft zweifelsohne verankert. Wer mehr arbeitet, mehr Verantwortung &#252;bernimmt, ein h&#246;heres Risiko eingeht, sich gr&#246;&#223;ere Anstrengungen aufl&#228;dt oder schwierigere Aufgaben &#252;bernimmt soll daf&#252;r belohnt werden. Anstatt also den Begriff der Leistung unter Anerkennungs-Gesichtspunkten einfach zu negieren, k&#228;me es vielmehr darauf an, darauf hin zu weisen wie der Begriff der „Leistungsgerechtigkeit“ im neoliberalen Raum pervertiert wird. Ein ad&#228;quat interpretiertes Prinzip der Leistungsgerechtigkeit ist f&#252;r eine Politik der Gerechtigkeit notwendig, es bestehen aber starke Zweifel, dass ein solches derzeit ann&#228;herungsweise realisiert ist. Unabl&#228;ssig wird dieses Ideal in der derzeitigen Reformdebatte ins Feld gef&#252;hrt. Behauptet wird, die Ausgeschlossenen wollten nicht arbeiten und in Deutschland lohne sich Leistung nicht mehr. Fakt ist aber, dass in Deutschland das Leistungsverst&#228;ndnis im Wandel begriffen ist. W&#228;hrend fr&#252;her die eigene Anstrengung als Indikator f&#252;r Leistung betrachtet wurde, scheint heute &#252;berwiegend ein Leistungsbegriff zu gelten, der nur noch auf den Erfolg schaut, also in der Regel auf den finanziellen Output. Das blo&#223;e Einstreichen hoher Gewinne scheint selbst dann eine gro&#223;e &#8220;Leistung&#8221;, so k&#246;nnte man meinen, wenn jemand gar nicht arbeitet.<br />
Ob es den sogenannten „Fahrstuhleffekt“ noch gibt, bei dem alle nach oben fahren, egal von welchem Niveau aus, scheint mehr als fragw&#252;rdig. Es gibt mehr als ein Anzeichen daf&#252;r, dass wir in einer Zeit leistungsloser Radikal&#252;bersch&#252;sse f&#252;r ein Milieu von Globalisierungs- und Modernisierungsgewinnern leben, denen reale oder drohende Modernisierungsverluste im unteren Drittel der Gesellschaft gegen&#252;berstehen. W&#228;hrend etwa vom Sozialhilfeempf&#228;nger mit moralischer Emphase eine gemeinn&#252;tzige „Gegenleistung“ f&#252;r seine nackte Existenzsicherung eingeklagt wird, lebt die Erbengeneration auf der gesicherten Grundlage von Verm&#246;gensertr&#228;gen – und damit bestenfalls von der Leistung ihrer Vorfahren. Eine &#8211; man ist versucht zu sagen „neofeudale“ &#8211; Oberschicht entsteht, in der man niemals Begriffe wie „Zumutbarkeitsgrenze“ oder „Anrechnung des Partnereinkommens“ h&#246;ren wird. Das Problem besteht nicht in der nat&#252;rlichen Ungleichheit der Talente und Energien, die die Einzelnen voneinander unterscheiden, sondern in der gravierenden, v&#246;llig leistungsentkoppelten Ungleichheit der &#246;konomischen und gesellschaftlichen Teilhabe.</p>
<h4>10. Erwerbsarbeit und Wertsch&#246;pfung</h4>
<p>Hinzu kommt die volkswirtschaftliche Frage nach dem Zusammenhang von entlohnungsgesteuerten Leistungsanreizen und Wertsch&#246;pfung. Von Vertretern des Grundeinkommens wird der Konnex zwischen Wettbewerb durch Entlohnungsanreize und marktwirtschaftlicher Wertsch&#246;pfung tendenziell bestritten. W&#228;hrend es in fr&#252;heren Grundeinkommens-Philosophien eher die fortschreitenden Rationalisierung war, also die Ersetzung von Menschenarbeit durch Maschinenarbeit, die zu der Annahme vom Ende des Zusammenhangs zwischen Erwerbsarbeit und Wertsch&#246;pfung f&#252;hrte, so sind es heute eher die wachsenden Kapitalertr&#228;ge und die entsprechenden Verm&#246;gensanh&#228;ufungen, die zu dieser Hypothese f&#252;hren. Auch hierin liegt jedoch ein Kurzschluss: So unhinnehmbar die massive Akkumulation von Kapitalverm&#246;gen ist, so falsch ist die Annahme, dass in der Anh&#228;ufung von Verm&#246;gen &#252;ber Kapitalertr&#228;ge bereits ein Beitrag zur Wertsch&#246;pfung liege. Im Gegenteil: Nur durch einen st&#228;rkeren steuerlichen Zugriff auf Kapitalertr&#228;ge (insbesondere durch das an anderer Stelle ausgef&#252;hrte Modell einer Einkommenssteuer-Reform) ist jene Quersubventionierung von Arbeit und Arbeitsleistung m&#246;glich, die wir dringend f&#252;r die Erzeugung von gesellschaftlichem Mehrwert brauchen.<br />
Die Annahme, dass die Generierung von allgemeinem Wohlstand auf die dynamisierende Wirkung einer Anreizstruktur &#252;ber Erwerbsarbeit verzichten k&#246;nnte, ist unhaltbar. (Ein interessantes Anschauungsfeld ist in diesem Zusammenhang die Relation von Schwarzarbeit und Entlohnungsstruktur). Das Wettbewerbs-Moment &#252;ber angemessene Entlohnung tr&#228;gt zu einer Wertsch&#246;pfungs-Dynamik bei, die bei einer entsprechenden Einhegung auch den Schw&#228;chsten in der Gesellschaft zu Gute kommt. Genau darin liegt der gerechtigkeitstheoretische Grund etwa bei Rawls, selbst ohne eine ausgepr&#228;gte Idee von Leistungsgerechtigkeit gewisse Ungleichheiten in der Verteilung zu akzeptieren, n&#228;mlich dann, wenn auch die sozial Schw&#228;cheren profitieren.</p>
<h4>11. Finanzierung und Finanzierungszwecke</h4>
<p>Wenn die These stimmt, dass es in der Politik darauf ankommt, unter Bedingungen limitierter Ressourcen gerechtigkeitsorientierte Entscheidungen &#252;ber den Einsatz von Mitteln zu treffen, dann ist die Finanzierungsfrage – mit all den beschriebenen Effekten f&#252;r Wertsch&#246;pfung und Verteilung – mehr als ein technisches Problem. Die Finanzierungsfrage steht mit im Kern einer politischen Strategie, die sich f&#252;r Schwerpunkte und Akzente bewusst entscheidet. Mit Blick auf die verschiedenen Modelle der Grundsicherung geht es dabei unter anderem um eine Anordnung von individuellen und institutionellen Transfers.<br />
In der Debatte zu Grundeinkommensmodellen gibt es hinsichtlich der Finanzierungsfrage viele verschiedene Auffassungen, Herangehensweisen und Ergebnisse. Unterschiedliche Sichtweisen und mitunter auch gro&#223;e Unklarheiten gibt es hinsichtlich der H&#246;he eines Grundeinkommens, hinsichtlich der Finanzierungsmodelle und der steuerpolitischen Ausgestaltung (Einkommens- und/oder Verbrauchsbesteuerung), hinsichtlich einer evtl. Erg&#228;nzung um bedarfsorientierte Elemente, wie auch hinsichtlich einer Kombination mit Mindestlohn-Modellen.<br />
Unabh&#228;ngig vom gew&#228;hlten Modell l&#228;sst sich in jedem Fall sagen, dass die Umverteilungs-Volumina gigantisch sind. Da die verfassungsrechtlich gesch&#252;tzten Rentenversicherungsanspr&#252;che nicht zur Gegenfinanzierung heranziehbar sind, wird das Umverteilungsvolumen selbst f&#252;r ein eher bescheidenes Niveau von monatlich 800 Euro auf mindestens 200 Mrd. Euro pro Jahr gesch&#228;tzt. Die meisten Vorschl&#228;ge liegen weit dar&#252;ber. Betrachtet man die dazu geh&#246;rigen Finanzierungsvorschl&#228;ge, so wird schnell deutlich, dass diese gerade mit Blick auf die verfolgte Intention von mehr Inklusion und mehr Autonomie h&#246;chst problematisch sind.<br />
Ein Vorschlag besteht in einer Finanzierung &#252;ber die Mehrwertsteuer. Dabei ist von einem Mehrwertsteuersatz von mehr als 40 % die Rede (G&#246;tz Werner u.a.). Dieser Finanzierungsvorschlag richtet sich jedoch gerade gegen diejenigen, die Beg&#252;nstigt werden sollen. Geringeinkommensbezieher haben allemal die Hauptlast h&#246;herer Preise zu tragen. Gewiss lie&#223;en sich Lebensmittel und Mieten weiterhin von der Steuererh&#246;hung ausnehmen. Aber auch Unterhaltungs- und Mobilit&#228;tsg&#252;ter z&#228;hlen zum kulturellen Existenzminimum. Vor dem Hintergrund eines ohnehin sehr bescheidenen Lebensstandards w&#228;re hier eine massive Verteuerung die Konsequenz, auch wenn sich das Einkommen erh&#246;hen w&#252;rde. Zudem w&#228;re die Konsequenz eine massive D&#228;mpfung des Konsums, was den Exklusionsdruck wiederum erh&#246;hen w&#252;rde (Wiesenthal).<br />
Ein anderer Vorschlag setzt zur Finanzierung eines Grundeinkommens auf die Einkommenssteuer, teilweise unter Einbeziehung einer sog. „negativen Einkommenssteuer.“ Dabei scheint bereits &#228;u&#223;erst fragw&#252;rdig, ob eine solche Einkommenssteuer-Reform das notwendige Volumen generieren kann, ohne unter Bedingungen einer globalen Wirtschaft &#246;konomische Effekte zu erzeugen, die selbst starke Idealisten nicht wollen k&#246;nnen.<br />
Hinzu kommt, dass auch einkommenssteuerbasierte Finanzierungsmodelle in der notwendigen Gr&#246;&#223;enordnung unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten katastrophale Verteilungs-Effekte gegen die Interessen derer zeitigen k&#246;nnen, die eigentlich entlastet werden sollen. Das zeigt sich etwa mit Blick auf das Grundeinkommens-Modell von Th&#252;ringens Ministerpr&#228;sident Dieter Althaus. Sein Konzept f&#252;r ein &#8220;solidarisches B&#252;rgergeld&#8221; sieht 800 bedingungslose Euro f&#252;r jeden Erwachsenen und 500 Euro f&#252;r jedes Kind vor. Von diesem Geld gehen jeweils 200 Euro als Gesundheitspr&#228;mie ab. Im Gegenzug sollen, mit Ausnahme der Krankenversicherung, alle existierenden Sozialleistungen und Steuervorteile gestrichen werden. Finanzieren will Althaus dieses Modell mit einer „Flat Tax“ von 50 Prozent. Wer mehr als 1.600 Euro verdient, erh&#228;lt die H&#228;lfte des B&#252;rgergeldes, zahlt daf&#252;r einen Steuersatz von nur 25 Prozent. Althaus will also Menschen mit kleinen Einkommen doppelt so stark besteuern wie Besserverdiener. Gleichzeitig entfiele mit der progressiven Einkommensteuer ein zentrales Umverteilungsinstrument. Hinzu kommt, dass die meisten Empf&#228;nger nach dem Althaus-Modell weniger Geld in der Tasche h&#228;tten als heute. Dass das Althaus-Modell den Staat in extreme Finanzn&#246;te bringen w&#252;rde, erkennen auch die Autoren der j&#252;ngsten Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zum solidarischen B&#252;rgergeld. Sie bescheinigen dem Konzept eine Finanzierungsl&#252;cke von 190 Milliarden Euro. Insgesamt w&#252;rde das solidarische B&#252;rgergeld demnach 740 Milliarden Euro j&#228;hrlich kosten. Dies entspricht knapp einem Drittel der Wirtschaftsleistung Deutschlands. Um diese Summe aufzubringen m&#252;sste der Einkommensteuersatz nicht bei 50 Prozent f&#252;r Geringverdiener und 25 Prozent f&#252;r Besserverdiener liegen, sondern bei 80 und 30 Prozent. In der Welt des solidarischen B&#252;rgergeldes k&#246;nnte ein Geringverdiener von einem Euro Gehalt also gerade 20 Cent behalten (Schneider).<br />
Doch selbst wenn es m&#246;glich w&#228;re, das Umverteilungsvolumen gerecht und ohne ein &#220;berwiegen der negativen volkswirtschaftlichen Effekte aufzubringen, w&#228;re ein bedingungsloses Grundeinkommen (gleich welcher Auspr&#228;gung) in jedem Fall nur m&#246;glich, wenn man die erh&#246;hten steuerlichen Realertr&#228;ge einseitig in das Grundeinkommen investiert. Die notwendige und beschriebene Offensive bei institutionellen Investitionen w&#228;re dadurch verbaut. Das hei&#223;t jedoch, dass ein entscheidendes Moment von Grundsicherung und Teilhabe gekappt wird, mit fatalen Konsequenzen f&#252;r die Ausgeschlossenen aus der sog. „Unterschicht“.<br />
Es besteht kein Zweifel, dass die Bundesrepublik h&#246;here steuerliche Realertr&#228;ge und deshalb eine Reform der Einkommenssteuer ben&#246;tigt. Der Grund f&#252;r die Notwendigkeit h&#246;herer Steuereinnahmen kann jedoch keineswegs nur im Bereich eines anderen Arrangements von individuellen Transfers liegen. Insbesondere geht es um Investitionen in &#246;ffentliche Institutionen und &#246;ffentliche G&#252;ter, aber auch um eine Senkung der Lohnnebenkosten und ein Abschmelzen des Schuldenbergs. Daf&#252;r m&#252;ssen Steuerschlupfl&#246;cher geschlossen, Steuerflucht bek&#228;mpft, aber auch auf intelligente Weise die Steuern erh&#246;ht werden. Notwendig ist ein Steuermodell, durch das wir nicht das Gegenteil von dem bewirken, was wir erreichen wollen, n&#228;mlich h&#246;here Realertr&#228;ge. Deshalb m&#252;ssen wir verhindern, dass h&#246;here Steuern die Steuerflucht dramatisch erh&#246;hen, und dass &#252;ber Steuern der Faktor Arbeit wieder verteuert wird. Hohe Unternehmenssteuern alleine fallen deshalb aus. Schwierig ist auch eine hohe Mehrwertssteuer, denn die belastet die sozial Schw&#228;cheren &#252;berproportional, haut auf die Konjunktur und erfasst vor allem den Dienstleistungsbereich, den wir ja gerade f&#246;rdern wollen. Sinnvoll ist vielmehr die Erh&#246;hung der privaten Einkommenssteuer. Dabei m&#252;ssen – anders als in Skandinavien &#8211; auch die privaten Kapitalertr&#228;ge voll einbezogen werden und nicht nur die gef&#228;hrdeten Arbeitseinkommen. Wenn es stimmt, dass eine Million&#228;rssteuer zwar gut w&#228;re, aber das Volumen alleine nicht bringt, dann muss das Geld auch aus der gehobenen Mittelschicht kommen, bei den gut und besser Verdienenden. Keine solidarische Modernisierung ohne den Beitrag der gehobenen Mittelschicht.<br />
F&#252;r das Ziel von Investitionen in &#246;ffentliche Institutionen und damit in eine sp&#252;rbare qualitative Verbesserung von &#246;ffentlichen Sektoren wie Bildung, Gesundheit, Pflege oder Kinderbetreuung besteht dar&#252;ber hinaus eine gute Aussicht, dass sich die Bereitschaft f&#252;r eine solidarische Finanzierung &#252;ber Steuern auch herstellen l&#228;sst. Wer sieht, wie sich die &#246;ffentliche Infrastruktur verbessert, wie das allgemeine Angebot an guten Schulen, guten Krankenh&#228;usern. und &#246;kologischer Mobilit&#228;t steigt, wird eher zu einer entsprechenden Solidarleistung bereit sein. Auch das zeigen die Erfahrungen aus dem skandinavischen Raum.</p>
<h4>12. B&#252;rokratie und Bedarf</h4>
<p>So richtig die Notwendigkeit von B&#252;rokratieabbau in der Bundesrepublik ist, so richtig ist der Hinweis, dass eine Politik der Gerechtigkeit konkrete Lebenssituationen der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger nicht ausblenden darf. Nat&#252;rlich st&#246;&#223;t die Ber&#252;cksichtigung von Bed&#252;rftigkeiten im demokratischen Rechtsstaat an Grenzen, wenn der Verwaltungsapparat nicht zum Kontrollapparat werden soll. Deshalb bedarf es Grenzen und Typisierungen. Genauso klar ist aber, dass etwa Schwerbehinderte mehr Ressourcen ben&#246;tigen als Nichtbehinderte oder Erziehende mehr als Nichterziehende. Wer schon diese Bed&#252;rfnisorientierung des Sozialstaats als „B&#252;rokratie“ gei&#223;elt, hat die Gerechtigkeitsfunktion des Sozialstaats nicht verstanden.<br />
Eine Vereinfachung und Zusammenfassung der zahlreichen und komplexen Zuwendungs-Quellen von Sozialtransfers macht freilich Sinn und w&#228;re ein wichtiger Schritt der Entb&#252;rokratisierung, der im Interesse der Empf&#228;nger liegt. Notwendig ist auch eine Verlagerung der Aufgaben von der fernen B&#252;rokratie einer zentralen Arbeitsagentur auf die &#8211; mit der konkreten Situation vertrauten &#8211; Kommunen vor Ort. Insbesondere aber sollten dort Pauschalierungen bei Sozialtransfers greifen, wo bestimmte Gruppen besonders belastet sind und deshalb dringend Entlastung brauchen. Wer etwa Kinder allein erziehend betreut, sollte ohne die Forderung nach einem Nachweis der Arbeitsbereitschaft unb&#252;rokratisch eine Grundsicherung bekommen.</p>
<h4>13. Grundsicherung und Grundrente</h4>
<p>Die vorgetragenen grundlegenden Einw&#228;nde gegen das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens – von der Anerkennungsfrage &#252;ber die Wertsch&#246;pfungsdynamik bis hin zur Bedeutung institutioneller Transfers – legen umgekehrt eine Aktualisierung der Debatte um eine Grundrente als Sicherung gegen Alterarmut nahe. Weder verbindet sich die Rente per se mit der Frage der Entlohnung von aktueller Arbeit, noch stellt sich hier die Frage &#246;konomischer Dynamik durch Arbeitsanreize. Gleichzeitig ist das notwendige steuerliche Umverteilungsvolumen zwar betr&#228;chtlich, jedoch vergleichsweise &#252;berschaubar und l&#228;sst Raum f&#252;r die notwendige Politik institutioneller Investitionen. Die Notwendigkeit von Bedingungen hinsichtlich Gegenleistung, Zeit oder Verm&#246;genshintergrund k&#246;nnten damit entfallen. Klar ist, dass die Umstellung auf eine armutsfeste Grundrente schon alleine auf Grund der Rechtsanspr&#252;che langfristig angelegt sein m&#252;sste. Finanzierbar aber w&#228;re eine Systemumstellung innerhalb des Grundsatzes der Umlagefinanzierung. Die Einnahmen m&#252;ssten in erster Linie durch die vorgeschlagene Reform der Einkommenssteuer sowie durch die Beseitigung indirekter Steuersubventionen gew&#228;hrleistet werden.</p>
<h4>14. Br&#252;cken-Grundsicherung und Bildungs-Grundsicherung</h4>
<p>Eine angemessene Strategie der Grundsicherung muss sich zusammensetzen aus einem Konzept &#246;ffentlicher Institutionen und einem Konzept individueller Transfers. Auch hinsichtlich des Arrangements individueller Transfers besteht trotz aller zu ber&#252;cksichtigenden &#246;konomischen Effekte einer Steuerpolitik, die auf die Erh&#246;hung von Einnahmen zielt, durchaus Gestaltungsspielraum. Dabei handelte es sich dann um ein Element, in einer Grundsicherungsstrategie, die gleicherma&#223;en institutionelle Transfers und eine entsprechende Gew&#228;hrleistung umfasst.<br />
Kaum aufrecht zu erhalten ist vor diesem Hintergrund aber die Idee eines in jeder Hinsicht „bedingungslosen“ Grundeinkommens, die vermutlich nicht nur f&#252;r sich betrachtet an &#246;konomische Grenzen st&#246;&#223;t, sondern in jedem Fall eine gerechtigkeitstheoretisch fatale Vereinseitigung zugunsten des individuellen Transfers und damit gegen die nur institutionell zu gew&#228;hrleistenden Teilhabechancen zahlreicher Menschen in unserer Gesellschaft gerichtet ist.<br />
Nimmt man die drei m&#246;glichen Bedingungen die an ein Grundeinkommen gekn&#252;pft werden k&#246;nnen, n&#228;mlich Gegenleistung, Verm&#246;genshintergrund und Zeit mit den gerechtigkeitsorientierten Erw&#228;gungen und den &#246;konomischen Effekten zusammen, so k&#246;nnte ein sinnvoller Vorschlag f&#252;r eine neue Form des Individualtransfers auf zwei Denkrichtungen basieren.<br />
Ein Ansatz k&#246;nnte darin bestehen, dass der individuelle Sozialtransfer f&#252;r eine begrenzte Zeit (zB. 1 Jahr) und eine begrenzte Anzahl ohne die Erwartung einer Gegenleistung und ohne Bed&#252;rftigkeitsnachweis ausgezahlt wird. Ziel einer solchen befristeten L&#246;sung w&#228;re es, Br&#252;cken zwischen Phasen der Erwerbsarbeit zu bauen, die den unsteten, prek&#228;ren Lebensl&#228;ufen zu mehr Sicherheit und Kontinuit&#228;t verhelfen. T&#228;tigkeiten und Projekte k&#246;nnten auch in Phasen der Erwerbsarbeitlosigkeit ohne den Druck der Arbeitsagentur fortgesetzt werden, soweit es sich dabei um eine begrenzte Zwischenphase handelt. Dieser Vorschlag ginge &#252;ber das jetzige ALG I hinaus, da er nicht nur die Anforderungen absenkt, sondern auch f&#252;r diejenigen gelten w&#252;rde, die in k&#252;rzeren Phasen der Erwerbslosigkeit keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben. (Den Verm&#246;genshintergrund eines Empf&#228;ngers dabei v&#246;llig au&#223;er Acht zu lassen, widerspr&#228;che vermutlich selbst f&#252;r eine befristete L&#246;sung dem Gerechtigkeitsgef&#252;hl der allermeisten, selbst wenn die wohlhabenden Empf&#228;nger mehr einbezahlen, als sie am Ende heraus bekommen. Zudem liegt hierin eine unn&#246;tige steuerpolitische Umw&#228;lzungspumpe, die das Gef&#252;hl von Steuerbelastung erh&#246;ht, ohne den Zweck dieser Belastung plausibel machen zu k&#246;nnen.) In dem Vorschlag einer solchen Br&#252;cken-Grundsicherung w&#228;re der sinnvolle Ansatz von Grundeinkommens-Konzepten aufgehoben, der viel beschworenen Gruppe der Mobilen und Gebildeten mit unsteten Lebensl&#228;ufen und tempor&#228;ren L&#246;chern in der Erwerbsbiographie eine Hilfestellung zu geben. Diese Gruppe k&#246;nnte dann in Phasen ohne Erwerbsarbeit ungehindert von l&#228;stiger B&#252;rokratie ihren kreativen oder auch sozialen T&#228;tigkeiten nachgehen, von denen auch die Gesellschaft als Ganze profitiert. Die zeitliche Befristung w&#252;rde die Auszahlung an einem formalen Kriterium fest machen und damit unb&#252;rokratisch und ohne Paternalismus f&#252;r alle gelten.<br />
Mit Blick auf eine Reform der individuellen Sozialtransfers muss auch die Idee einer Bildungs-Grundsicherung entwickelt und realisiert werden. F&#252;r Phasen der Bildung oder Weiterbildung sollte der Druck von Gegenleistung und komplexen Bed&#252;rftigkeitsnachweisen entfallen. Bildung ist Bedingung genug, um phasenweise ein existenzsicherndes Einkommen zu erhalten. Verbunden werden k&#246;nnte dieser Gedanke mit den &#220;berlegungen zu einem „Bildungsguthaben“, das f&#252;r alle gilt, und sich &#252;ber alle Lebensphasen erstreckt.</p>
<h4>15. Schluss</h4>
<p>Gleichzeitig bleiben nach diesem Konzept ausreichend Ressourcen f&#252;r am Bedarf orientierte Leistungen und f&#252;r eine Institutionenpolitik im Namen der Teilhabechancen einer ganz anderen Gruppe, die sich weder als prek&#228;r noch als unstetig beschreiben l&#228;sst, sondern stabil im Keller sitzt. F&#252;r die Gr&#252;nen muss es in den n&#228;chsten Jahren darum gehen, eine auf reale Teilhabe zielende Politik der &#246;ffentlichen Institutionen zu entwickeln und zu konkretisieren. Hier sind jetzt konkrete Konzepte und konkrete Antworten gefragt, von der Schulreform &#252;ber die Reform des Gesundheitswesens bis hin zu einer Reform der Institutionen des Arbeitsmarkts. Emanzipation ist gerade mit Blick auf diese Gruppe ohne ein Bewusstsein f&#252;r die freiheitserm&#246;glichende Kraft von Institutionen nicht m&#246;glich. Wer Freiheit ins rein „Private“ verdr&#228;ngt verkennt die emanzipatorische Bedeutung des &#246;ffentlichen Raums. Wer Freiheit von Formen kollektiver Solidarit&#228;t isoliert, verneint sie im Ergebnis. Freiheit misst sich f&#252;r die Menschen nicht nur am privaten Transfer, sie misst sich auch an der M&#246;glichkeit, eine gute Schule zu besuchen, im Krankheitsfall Zugang zu einem guten Krankenhaus zu haben und im Falle der Arbeitslosigkeit an der Wiedererlangung von akzeptabler Arbeit. Sie bemisst sich an der M&#246;glichkeit von Mobilit&#228;t in einer &#246;ffentlichen Infrastruktur und am Zugang zu den Institutionen des kulturellen Lebens. Deshalb handelt es sich bei individuellen Transfers und institutionellen Transfers um zwei Seiten der gleichen Medaille: der Erm&#246;glichung von gelebter Freiheit und Selbstbestimmung f&#252;r alle.</p>
<p><small>Berlin, 16. April 2007 – Peter Siller</small></p>
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