Das Grundeinkommen in der Schweizer Presse

Die Latte-macchiato-These

Als erste Schweizer Zeitschrift bringt Facts das Thema Grundeinkommen als Titel-Geschichte

Die “Latte-Macchiato-These” wird nun vielleicht zu einem geflügelten Wort für den Abzug aller Steuern aus dem Herstellungsbereich und ihre Versammlung in der Mehrwertsteuer. (Siehe Grafik / links die jeweiligen Kostenpunkte inclusive der heutigen Steuern (Schweiz hat 7,6 Prozent Mehrwertsteuer), rechts ohne Steuern, dafür mit einer höheren Mehrwertsteuer oben drauf, was mehr Spielraum für sinnvolle Arbeit gibt.

“Das Nachdenken über ein bedingungsloses Grundeinkommen ist kein akademischer Zeitvertrieb mehr. Es ist eine politische Notwendigkeit geworden.”

Artikel als PDF lesen

15 Kommentare zu “Das Grundeinkommen in der Schweizer Presse”

  1. Matthias Rampke (KV&GJ Leipzig)

    Diese “Latte-Macchiato-These” ist schon ansprechend… aber ich bin skeptisch, ob das tatsächlich so funktioniert… da sind mir zu viele “Soll”s drin – wie sich die Löhne verändern soll, wie sich die Preiskalulation anpassen soll etc. pp.
    Hier trifft sich die marktradikale mit der planwirtschaftlichen Utopie – in beiden Varianten würde das funktionieren, einmal weil der Markt ja alles perfekt regelt und das andere mal weil man’s einfach vorschreiben kann.
    Aber in der Realität glaube ich kaum, dass das so funktioniert – insbesondere in Bereichen, wo heute schon z.B. Quasi-Monopole bestehen, so dass die Marktregulierung nicht funktioniert.

  2. Till Westermayer (KV Breisgau-Hochschwarzwald)

    Einen interessanten Punkt im Latte-Schaubild finde ich ja die Nettolöhne, die links bei 30 und rechts bei 20 Prozent liegen. Und das Grundeinkommen hat — jetzt mal nur das Schaubild betrachtet — gar keine Prozentzahl. Nur mal so nebenbei bemerkt; bin grade zu erkältet, um das genau zu durchdenken.

  3. Matthias Rampke (KV&GJ Leipzig)

    Das liegt vermutlich an dem (Wernerschen) Gedanken, dass die existierenden Löhne erstmal um die Höhe des BGE gekürzt werden (sollen…)

  4. Stefan (KV Lörrach)

    Klar, es geht ja darum, dass die Leute ihr Geld zum Teil aus der Gemeinschaft erhalten und dann den Rest (das Plus) durch Zuarbeiten (oder auch nicht) verdienen. Der Arbeitgeber muß dabei genauso entlastet werden, damit auch die Produkte von den Steuern (Ek-Lohnnebk. etc.) entlastet werden, das ist die Logik!

    Es ist eine Umverteilung. Das Geld kommt eben nicht mehr nur von der Erwerbsarbeit bzw. vom Arbeitgeber, sondern nur noch ein Teil (und wie hoch der ist, ist eine Frage des Marktes und des Verhandlungsgeschicks der jeweilgen Arbeitnehmer).
    Wer denkt, das Grundeinkommen soll zusätzlich die Taschen füllen, hat das Prinzip nicht verstanden. Die leeren Taschen werden bis zum auskönmmlichen Level ausgeglichen, die vollen Taschen bekommen nicht viel mehr, aber auch nicht weniger, nur der Ort wo das Geld herkommt ist ein anderer und damit wechselt die Bedeutung von Arbeit versus Erwerbsarbeit.
    Das neue Einkommen, welches der Mensch aufgrund qua Existenz und durch Zugehörigkeit zur jeweiligen (BGE zahlenden) Gemeinschaft erhält, sichert ihm das Auskommen, ohne welches er nicht Teil dieser Gemeinschaft sein kann.

  5. Henning Schürig (Admin, KV Stuttgart)

    Die gesunkenen Nettolöhne hatten mich auch irritiert. So wie oben sieht das dann in einem ganz bestimmten Modell aus, das nicht dem entspricht, das ich im Kopf habe. Ich würde die Einkommensteuer nicht abschaffen und die Nettolöhne nicht absenken, sondern bei den Einkommensbeziehern das Grundeinkommen (teilweise bis vollständig, je nach Einkommen) wieder über erhöhte (auch Einkommens-)Steuern wieder zurückholen.

    Was ich noch erklärungsbedürftig finde:
    - Warum sinken die Warenkosten (und was ist das genau)?
    - Warum sinken die Infrastrukturkosten (und was genau ist damit gemeint)?

  6. Stefan (KV Lörrach)

    warenkosten sind z.b. … kaffee, milch, kakao, zucker
    infrastrukturkosten … gläser, geschirr, miete, werbung, heizung, einrichtung des cafés etc.

    das alles ist in einem glas macchiato enthalten und eben heute noch zusätzlich dazu, 7% mehrwertsteuer, löhne, lohnnebenkosten, einkommens- und unternehmenssteuern, bei uns noch gewerbesteuern usw.

    und überleg mal wie deine steueridee alles weiter verkomplizierst und die arbeit verteuert. wir müssen aber das system abspecken und vereinfachen, arbeit bezahlbar und nicht komplizierter machen.

    du willst leistung besteuern, ich möchte verbrauch besteuern. hast du schon mal eine steuererklärung gemacht? … du könntest sie dann in zukunft mit einem glas latte macchiato erledigen … keine lust dazu?

    steuerhinterziehungen, sparmodelle, abschreibungen, etc. ade …

  7. Till Westermayer (KV Breisgau-Hochschwarzwald)

    Das ist ein Modell eines Grundeinkommens. Meines nicht, weil ich glaube, dass hier die meiner Meinung nach begrüßenswerte Idee eines Grundeinkommens mit der neoliberalen Idee, dass Unternehmen nicht besteuert werden dürfen, verknüpft wird. Der zweite Teil hat originär nichts mit dem ersten zu tun und muss m.E. auch separat von einem Grundeinkommen argumentiert werden, wenn jemand sowas denn gut findet.

    Nochmal zum Kaffeehaus-Beispiel (im PDF komplett nachlesbar) — da wird zur Erläuterung des Bildes oben damit argumentiert, dass ein Grundeinkommen es ermöglichen würde, dass nur noch die Leute (zu niedrigeren Löhnen als heute) im Kaffeehaus arbeiten, die es wirklich wollen. Das klingt für mich nach: das Grundeinkommen wäre für den Kaffeehausbesitzer eine Chance zur Ausbeutung. Dabei ist z.B. interessant, das in dem Schaubild oben der Gewinn des Kaffeehausbesitzers — der ja auch irgendwie in den Latte-Macchiatto-Preis reingerechnet wird — nicht enthalten ist. Oder betreibt der sein Kaffeehaus derzeit als Plus-Minus-Null-Betrieb und lebt von z.B. einer Erbschaft, und will sich in Zukunft über das natürlich auch ihm zustehende Grundeinkommen finanzieren? ((Und warum nicht eigentlich gleich aus dem Kaffeehausunternehmer mit willigen und gerne dort arbeitenden Angestellten eine Kaffeehausgenossenschaft mit mehreren dort arbeitenden MiteigentümerInnen machen? Und wie sieht das mit fairen Kaffeepreisen aus?))

    ((Noch so eine abschweifende Nebenbemerkung: wer’s gerne marxistisch mag, darf sich das lesenswerte Kaffeebeispiel hier anschauen)).

    Jetzt wollte ich eigentlich, nur mal so über den Daumen gepeilt, das Latte-Macchiatto-Beispiel für Deutschland umrechnen. Dabei gibt es aber gewaltige Interpretationsschwierigkeiten, aber seht selbst.

    Das Glas Latte im Beispiel oben kosten 4,80 Franken, sagt der Begleittext. Das sind ungefähr 2,90 bis 3,00 Euro (das Glas insgesamt entspricht übrigens 107,6 % — macht auch Sinn, ist aber für ein Schaubild ganz lustig, weil ein volles Glas ja eigentlich 100 % sein müssten, Milchschaum mal abgezogen. In der neuen Variante ist das Glas sogar mit 150% gefüllt).

    Umgerechnet entsprechen die einzelnen Komponenten folgenden Werten:

    MWSt: 0,21 Euro — 2,00 Euro

    Nettolohn: 0,83 Euro — 0,40 Euro
    Einkommenssteuer: 0,22 Euro — 0,00 Euro
    Lohnnebenkosten: 0,33 Euro — 0,00 Euro
    Infrastruktur: 0,69 Euro — 0,30 Euro
    Warenkosten: 0,69 Euro — 0,30 Euro

    Summe: 3,00 Euro — 3,00 Euro

    Jetzt wird es in mehrere Hinsicht lustig. Erstens ist das Glas 2 den Angaben Zufolge nicht mit einem Mehrwertsteuersatz von 100 % belegt, sondern mit einem von 200 % (0,30 + 0,30 + 0,40 => 1,00 + 2,00 MWSt = 3,00 Euro). Oder ich verstehe das Schaubild grundlegend falsch bzw. meine Überlegungen zu Grundgesamtheiten stimmen nicht. Vielleicht mag mir jemand hier weiterhelfen …

    Was ich eigentlich machen wollte, war jedenfalls folgendes: mal von der linken Seite ausgehen, dann auf einen Nettopreis vor Steuern für das Glas Latte von 2,22 Euro zu kommen (inkl. der Nettolöhne), und dann diese 2,22 Euro mit 100 % MWSt belegen — das ergibt dann einen Endkundenpreis von 4,44 Euro (statt vorher 3,00 Euro) für das Glas Latte Macchiatto. Wenn ich davon ausgehe, dass Infrastruktur- und Warenkosten nicht billiger, aber auch nicht teurer werden (die MWSt-Erhöhung wird hier einfach weitergegeben), also weiterhin 1,39 Euro kosten, und das Glas mit MWSt nur 3,00 Euro kosten darf, dann kommt dabei ein neuer Nettolohn von 11 Cent heraus (statt vorher 83 Cent). Meiner Meinung nach wäre Glas 2 also wie folgt zusammengesetzt:

    Waren- und Infrastruktur (netto) bleibt gleich: 1,39 Euro
    Einkommens- und Lohnsteuern und Lohnnebenkosten: -,– Euro
    Nettolöhne (inkl. Einkommen Unternehmer!) pro Glas: 0,11 Euro
    100 % MWSt: 1,50 Euro

    Summe: 3,00 Euro

    Das würde aber heißen: damit das Glas Latte Macchiatto nicht teurer werden darf, müssen die Nettolöhne in diesem Beispiel auf ein Siebtel sinken! Wenn jemand also vorher 1000 Euro im Monat durch einen (eher gut bezahlten) Job in diesem Kaffeehaus verdient, sind es jetzt noch 132 Euro. Mit aus der Luft gegriffenen 1200 Euro Grundeinkommen ist es dann erstmal wieder mehr, nämlich 1332 Euro. Die Lohnnebenkosten im Beispiel betrugen 40 % des Nettolohnpostens, also 400 Euro (ohne jetzt über Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile zu philosophieren). Effektiv bleiben also 932 Euro im Monat, ein Verlust von nur 70 Euro. Mit einem etwas geringerem Grundeinkommen, etwas höheren vorherigen Löhnen etc. dürfte das Modell noch deutlich schlechter aussehen.

    Ebenso sieht es deutlich schlechter aus, wenn der Kaffeehausbesitzer beispielsweise nur die Hälfte der MWSt-Erhöhung an seine KundInnen weitergibt, für den Kaffee jetzt also ca. 3,70 Euro verlangt, und gleichzeitig mit der oben angeführten Argumentation die Löhne senkt. Der Kaffeehausbesitzergewinn steigt dann von vorher 0,00 Euro pro Latte Macchiatto auf jetzt 0,70 Euro, die Zahl bezahlbarer Latte Macchiattos von Kaffeehausangestellten sinkt dagegen spürbar. Oder der Kaffeehausbesitzer lässt die Lohnhöhe gleich, kommt dann aber auf einen Preis von 4,44 Euro pro Latte, was wiederum die Zahl bezahlbarer Lattes pro Angestellten senkt.

    ((Die Gegenrechnung, wieviel Einnahmen der Staat weniger/zusätzlich erhält, und wieviel davon in ein Grundeinkommen fließen müsste, lasse ich hier erstmal weg — die wäre aber der Vollständigkeit halber auch spannend.))

    Mein Fazit: es ist möglich, das alles so hinzurechnen, dass es für ein einzelnes Beispiel so aussieht, als würde alles einfacher werden und letztlich gleich oder besser bleiben. Es gibt aber absolut keine Garantie dafür — und für einigermaßen profitorientierte, böswillige UnternehmerInnen jede Menge Chancen, den eigenen Gewinnanteil deutlich auszubauen. Wenn schon Grundeinkommen, dann bitte ohne eine derartige Reform des Steuersystems (die Steuersparmodelle etc. sind ein anderes Thema).

  8. Henning Schürig (Admin, KV Stuttgart)

    Ich frag mich noch was ganz anderes: Die (alten) Nettolöhne sollen Stefans Meinung nach ja um das Grundeinkommen gekürzt werden. Nehmen wir mal an, ein Kellner verdient 1000 EUR (netto) und wir führen dann 700 EUR Grundeinkommen ein.

    Dann bekommt der Kellner künftig nur noch 300 EUR Lohn (netto) und 700 EUR Grundeinkommen.

    Frage: Wer geht für 300 EUR mehr im Monat 40 Stunden die Woche arbeiten?

  9. Robert Zion

    Hallo Henning,
    auch, wenn es auf einem Grünen Blog – vielleicht? – nicht gerne gesehen wird, aber zu Beantwortung Deiner letzten Frage scheint mir das Konzept von Katja Kipping die Lösung zu bieten: Grundeinkommen, Mindestlöhne, Arbeitszeitverkürzung. Dabei muss gesagt werden, dass sie mit ihrem explizit von ihr als “emanzipatorisch” eingestuften Konzept – obwohl sie es bisher nicht in wichtigen Einzelheiten ausgearbeitet hat – zu der eher etatistischen Grundausrichtung der Linkspartei.PDS quer steht.
    Grüße
    Robert Zion, (KV Gelsenkirchen)

  10. Till Westermayer (KV Breisgau-Hochschwarzwald)

    @Robert: Ich finde das ja durchaus sympathisch — wichtig ist aber, festzuhalten, dass so eine Version nicht nur quer zum Linksparteietatismus steht, sondern auch quer zum Unternehmerlaissezfairegrundeinkommen a la Götz Werner.

  11. Henning Schürig (Admin, KV Stuttgart)

    @Robert
    Warum nicht viel einfacher? Eben einfach nicht die Löhne um das Grundeinkommen kürzen, sondern das Geld über die Einkommensteuer zurückholen.

    Eine Lohnkürzung um einen absoluten Betrag belastet übrigens die kleinen Einkommen viel mehr als eine prozentuale (und sogar progressive) Einkommensteuer.

  12. Robert Zion (KV Gelsenkirchen)

    @Till
    Vollkommen einverstanden mit Deiner Einschätzung!
    @Henning
    Zur Finanzierung gibt es meiner Wahrnehmung nach bisher nur sehr wenige (ergänzt; Henning) Lösungsansätze, die alle entscheidenden Elemente, vor allem die ökonomischen Wechselwirkungen, berücksichtigen. Jedenfalls glaube ich, das wir mit dem BGE zugleich vom Lohnsteuerstaat wegkommen müssen, ohne dabei in die Falle der Götz Werner’schen MwSt-Debatte zu geraten. Schließlich geht es nur mit Umverteilung, was einen Zugriff auf Kapital- und Vermögenseinkommen voraussetzt (ähnlich unserer Konzeption zur Bürgerversicherung).
    Daher ein Betrag von mir aus der Debatte im Netzwerk Grundeinkommen:

    Das Stück Wahheit in der Götz Werner’schen Konzeption ist, dass wir tatsächlich dazu übergehen müssen, statt Inputs (Arbeit, unternehmerische Tätigkeit) Outputs zu besteuern, oder, wie es Dietmar Lingemann ausdrückt, “Entnahmen aus dem gesellschaftlichen Produktionsprozess, sei es in der Form von Vermögenseinkommen bzw. Kapitalerträgen, sei es als Verbrauch von Gütern (Mehrwertsteuer), sei es als Verbrauch von Ressourcen (Ökosteuern, Grundsteuern).” Götz Werners alleinige Fokussierung auf die MwSt ist eine Art “Einzelhändlerkeynesianismus”, der den Turbo-Kapitalismus, der sich heute auf die Finanzmärkte konzentriert, schlichtweg nur in die Konsumsphäre verlagern will, eine reine “economie of scales”. In Verbindung mit dem BGE würde seine Steuerkonzeption wie eine Turbo oder Durchlauferhitzer den Produktionsoutput und die Konsumtion wahrscheinlich tatsächlich enorm beschleunigen und ausdehnen. Die Gaga- und Nonsensproduktion würde zwar dann nicht mehr mit dem (falschen) Versprechen der Vollbeschäftigung legitmiert weren (wie heute), den Planeten könnten wir dann aber bald zumachen – Ökonomie und Ökologie sind eben nicht mehr getrennt voneinander zu denken und “Wohlstand” ist darum heute auch etwas anderes und viel mehr als lediglich “Konsum”.

  13. Robert Zion (KV Gelsenkirchen)

    Ich meine natürlich ” bisher nur SEHR WENIGE Lösungsansätze, die alle…”

    Hab’s oben ergänzt. Henning

  14. Stefan (KV Lörrach)

    @till, @henning, u.a.

    der grafiker von facts hat die zeichnung nicht ganz so wiedergegeben, wie ihr erfinder sie entworfen hatte, aber trotzdem scheint mir, dass ihr euch eigentlich nicht wirklich die mühe machen wollt diese zeichnung so anzuschauen, wie sie es verdient und ihr leider nur eure weit vorgefasste meinung zur mehrwertbesteuerung bestätigt sehen möchtet …

    die einlassung vom “kaffeehausbesitzer” welcher “eine chance zur ausbeutung” nicht ausläßt, läßt tief blicken …
    die pessimistische betrachtung, die welt würde nur aus raffgierigen unternehmern bestehen, ist leider wie es scheint auch bei grüns weit verbreitet …
    das unternehmen auch vorbildlich geführt werden, bzw. das es menschen gibt, deren antrieb zur arbeit ein anderer ist, wie geld anzusammeln bzw. zu horten, (was nebenbei für einen unternehmer überhaupt keinen sinn macht, da er sowieso immer investiert …) wird natürlich nur aus humoristischer distanzierung und mit unglauben abgehackt.

    zur macchiato-theorie: im glas 1 sind die zahlen so, wie sie jeder geschäftsman aufstellt. er rechnet die mwst. nicht in seine auffstellung hinein (daher kommen die 7,6% zusätzlich dazu (gibt 107,6%). da sie für das unternehmen ein durchlaufender posten sind, tauchen sie nicht in den 100% auf. die gewinne des kaffeehauses sind natürlich in den infrastrukturkosten bzw. in dem fall auch in den lohnkosten enthalten.
    das nicht auf sinnlose gewinnmaximierung ausgerichtete kaffehausunternehmen bezahlt seine betreiber aus den gleichen nettolöhnen, anfallende gewinne (infrastruktur) werden ins eigene unternehmen und seine aktivitäten reinvestiert, welche widerum allen besucherinnen des hauses zu gute kommen, wie das bei den meisten unternehmen eigentlich der fall ist.

    in bild 2 machen die 100%ige mehrwertsteuer (vielleicht etwas verwirrend für nicht bwler) natürlich 50% des verkaufspreises aus, sind aber 100% aufschlag auf den erzeugerpreis von 2,40 chf … warenkosten und infrastrukturkosten sinken dort ebenfalls, da in allen posten die lohnnebenkosten herausfallen.
    die betreiber des kaffeehauses erhalten [in bild 2] natürlich ebenfalls bge und können sie ihr unternehmen um diesen betrag ebenfalls entlasten und diese beträge zusätzlich ins unternehmen investieren.

    @henning fragt … “frage: Wer geht für 300 EUR mehr im Monat 40 Stunden die Woche arbeiten?” … und was meinst du? aus welchem grund arbeitet der mensch? frag dich mal selbst! kann es sein, dass du deine mitmenschen und deine umgebung aus einer sehr ärmlichen perspektive betrachtest …?

  15. Till Westermayer (KV Breisgau-Hochschwarzwald)

    Bild 2 ist mir trotzdem nicht klar. Nehmen wir das Grundeinkommen mal aus dem Glas — dann müsste das Glas mit MWSt dort = 200 % sein, während es links ja 100 + 7,6 % = 107,6 % sind (das linke Glas ist mir durchaus verständlich). Nur ist da — beim rechten Glas — irgendwie MWSt auf das Grundeinkommen mit draufgeschlagen, bzw. es ist völlig unklar, auf was für eine Grundgesamtheit sich die 15, 15 und 20 % beziehen. Bzw. wieso das Grundeinkommen mit 40 % in den Verkaufspreis hineingerechnet wird.

    Aber vielleicht ist es auch wirklich vor allem eine schlechte Visualisierung. [1]

    Viel interessanter fände ich die inhaltliche Frage: was bringt die Kaffeehausbesitzer (denen traue ich das ja sogar noch zu), aber eben auch z.B. die ALDI-Besitzer (denen traue ich das nicht zu) dazu, nicht einfach die höhere MWSt (zum Teil) an ihre KundInnen weiterzugeben — und vielleicht trotzdem die Löhne zu reduzieren? Es muss doch — außer dem anthroposophischen Grundvertrauen in die Menschen ;-) — einen Grund dafür geben, warum die so handeln sollten. Und der ist mir immer noch unklar.

    [1] Nochmal rückwärts gerechnet: 3,00 Euro Verkaufspreis (ist mir einfach vertrauter als die Franken) — 1,50 Euro MWSt + 1,50 Euro für alles andere. Alles andere waren vorher 2,79 Euro nach Steuern und 2,22 Euro vor Steuern. Einkommenssteuern und Lohnnebenkosten machen 0,55 Euro aus, d.h. ungefähr 25 % des Nettopreises. D.h., reduzieren wir Infrastruktur und Warenkosten mal um diese 25 %, bleiben statt jeweils 0,69 Euro noch jeweils 0,52 Euro, großzügig abgerundet auf 0,50 Euro. Selbst dann sinkt der Posten Nettolohn unter der Bedingung “gleichbleibender Preis” und “100 % MWSt” von vorher 0,83 Euro auf jetzt 0,50 Euro (0,50 Waren + 0,50 Infrastruktur + 0,50 Lohn => 1,50 Nettopreis + 100 % MWSt => 3,00 Euro Endpreis) — in meinem Beispiel waren es nur noch 0,11 Euro Nettolohn, sieht also schon deutlich besser aus.

    Trotzdem bleibt der grundsätzliche Kritikpunkt, dass das nur funktioniert, wenn so gut wie alle brav ihre Einsparungen weitergeben, und wenn es niemanden gibt, der quasi “gegen das Grundeinkommen spekuliert”. Der andere interessante Punkt sind eben die staatlichen Einnahmen (die ja zur Finanzierung des Grundeinkommen eher steigen müssten) — hier fehlt mir ebenfalls die Rechnung, wie weit die bisherigen Einnahmen + Mehrbedarf durch die SuperMWSt gedeckt sind.

Einen Kommentar schreiben

du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.