Woher kommt unsere Arbeitslosigkeit?

In diesem Beitrag möchte ich einen Punkt aufgreifen und weiterführen, der bereits auf der Regionalkonferenz am Samstag angeklungen ist. Die Auswirkungen der zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen auf den Arbeitsmarkt.

Vor etwa 50 Jahren war es noch ganz normal, dass der Mann zur Arbeit ging und sich die Frau um den Haushalt kümmerte. Heute arbeiten in der Regel beide Partner. Selbst wenn Kinder kommen pausieren die meisten Frauen nur einige Jahre und versuchen dann wieder ins Berufsleben zurück zu kehren. Diese Entwicklung ist gut so und von uns im Prinzip auch so gewollt. Welche Auswirkungen hat sie aber auf die Arbeitslosigkeit in unserem Land?

Wenn wir davon ausgehen, dass im Schnitt nur etwa halb so viele Frauen zur Arbeit gehen wie Männer – das dürfte unter Berücksichtigung von Schwangerschaftszeit und verstärkter Teilzeit bei Arbeitnehmerinnen einen durchaus realistischer Wert sein – so bedeutet dies, dass innerhalb der letzten fünf Jahrzehnte die Zahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Personen um etwa 50% zugenommen hat. Grob überschlagen bedeutet dies, dass heute auf die selbe Personenzahl bezogen, etwa 150% der Produktmenge hergestellt werden können die 1950 hergestellt wurde.

Gleichzeitig konsumieren aber Arbeitnehmerinnen nicht wesentlich mehr als Hausfrauen, die den ganzen Tag zu Hause verbringen. Ein Teil der so mehr produzierten Waren geht in den Export. Nicht umsonst ist Deutschland im Bereich der Exporte immer noch Weltmeister, trotz der angeblich so schlechten wirtschaftlichen Situation im Innland. Da aber auch der Exportmarkt nicht endlos deutsche Waren aufnehmen kann, kam die Entwicklung wie sie kommen musste. Der Aufgebaute Druck auf dem Arbeitsmarkt machte sich in sinkenden – oder zumindest nicht mehr wie gewohnt steigenden – Löhnen und steigender Arbeitslosigkeit bemerkbar.

Heute haben wir eine Situation erreicht, in der es sich eine Familie kaum auf Dauer leisten kann, dass ein Partner gar nicht arbeiten geht. Für künftige Eltern stellen Kinder zunehmend ein Armutsrisiko dar. Jugendliche finden keine Ausbildungsstelle und Absolventen mangels Berufserfahrung immer schwerer einen Job.

Auf der anderen Seite geht es denen, die als berufstätige Singles leben recht gut. Noch mehr profitieren diejenigen verheirateten Paare ohne Kinder, bei denen beide Ehepartner berufstätig sind. Im Vergleich zu vor 50 Jahren ist zwar die Einkommenssituation nicht mehr ganz so gut, da aber keine Familie mit ernährt werden muss, bleibt für den einzelnen doch wesentlich mehr übrig.

Durch die Berufstätigkeit der Frau wurde ein Prozess auf dem Arbeitsmarkt ausgelöst, der eine Umverteilung in unserer Gesellschaft bewirkt hat. Traditionelle Familien mit Kindern wurden immer ärmer, Singles und berufstätige Ehepartner ohne Kinder immer reicher. Das Absurde ist, dass die letztere Gruppe diesen relativen Reichtum nicht als solchen wahr nimmt. Anstatt froh zu sein, dass beide einen Arbeitsplatz haben hört man Sprüche wie: „Da arbeitet man den ganzen Tag und am Ende nimmt einem der Staat wieder fast die Hälfte weg“.

Wie kann man dieser Situation am besten begegnen?

Hier eine kurze Beispielrechnung, welche die ganze Situation samt Lösungsansätzen überspitzt darstellt:

Ein Ehepaar lebt vom Ackerbau. Der Mann pflügt, sät und erntet, während die Frau sich um den Haushalt kümmert. Die geernteten Feldfrüchte reichen immer genau bis zur nächsten Ernte. Eines Tages beschließt die Frau, dass sie die selbe Arbeit machen möchte wie ihr Mann. Um den Haushalt kümmern sich beide nach der Arbeit gemeinsam, das ist zwar sehr anstrengend, aber es ist zu schaffen. Als ein Jahr vergangen ist müssen die beiden feststellen, dass sie viel zu viele Früchte geerntet haben. Die nächste Ernte steht schon wieder an, aber die Vorratsräume sind noch halb voll. Was werden die beiden jetzt wohl tun. Eine Möglichkeit wäre es, das nur noch eine Person arbeiten geht und die andere sich beklagt, dass sie keine sinnvolle Beschäftigung findet. Viel sinnvoller wäre es allerdings, die beiden würden jeweils nur noch den halben Tag arbeiten und trotzdem mit ihrer Ernte über den Winter kommen. Sie hätten dann mehr Zeit für andere Dinge und würden sich nicht kaputt arbeiten.

Kehren wir wieder zu unserer momentanen Situation in Deutschland zurück:

Eine generelle Reduzierung der Arbeitszeit, wie man sie nun vielleicht fordern möchte scheint nur auf den ersten Blick Erfolg versprechend. Spätestens dann, wenn eine Familie Kinder bekommen möchte, die Frau zu Hause bleiben muss und das Geld des Mannes, der dann nur noch etwa 2/3 dessen verdienen würde was er früher verdient hat, nicht mehr ausreicht, sind die Grenzen einer generellen Arbeitszeitverkürzung erreicht. Wir müssen uns also einen anderen Weg überlegen, wie man verhindern kann, dass das Überangebot an Arbeitskraft in Deutschland zu Arbeitslosigkeit und zu einer oben geschilderten Umverteilung führt.

Lassen wir doch diejenigen, die Vollzeit arbeiten wollen dies auch tun. Warum sollte man künstlich die Arbeitszeit einschränken. Allerdings muss dann auf andere Weise ein Ausgleich zwischen denjenigen geschaffen werden, die berufstätig und ohne Kinder von ihrem Einkommen überdurchschnittlich gut leben können und zwischen denen, die Kinder oder einen Arbeitslosen Partner mitfinanzieren. Ansatzweise ist dies ja auch schon in unserm momentanen System enthalten. Transferzahlungen wie das Kindergeld oder ALGII sowie ein höherer Einkommenssteuersatz sollen genau diese Umverteilung bewirken. Aber reichen die momentanen Mittel aus?

Schauen wir noch mal an den Anfang der Betrachtungen zurück und gehen von einem Anstieg der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Menschen von etwa 50% aus. Das würde – wenn man Effekte wie Anstieg des Exportvolumens außer Acht lässt und von der selben Menge an hergestellte Produkten ausgeht – bedeuten, dass das Einkommen pro Kopf auf 66% des ursprünglichen Lohns zurück gehen müsste.

Nimmt man nun einen berufstätigen Single und zieht von dessen Lohn zuerst 33% ab und besteuert erst anschließen, so wird man ziemlich schnell feststellen, dass man mit einer Abgabenquote, die unter 50% liegt dem Problem steigender Ungerechtigkeit nicht herr werden wird. Im Gegenzug stellt ein Kindergeld, das längst nicht die durch das Kind entstandenen Kosten abdeckt nicht einmal einen Tropfen auf den heißen Stein dar, wenn es darum geht, den Einkommensausfall des einen Elternteils zu ersetzen. Hier wurde mit dem Elterngeld zumindest ansatzweise ein Schritt in die richtige Richtung geschaffen, der sich allerdings nur auf das erste Jahr nach der Geburt bezieht. Entsprechend sieht es mit dem ALGII aus, das nach diesen Berechnungen ebenfalls 66% des Durchschnittslohns entsprechen müsste, da liegen wir momentan doch leicht daurunter.

Wenn wir uns in dieser Debatte zum Thema Grundeinkommen/Grundsicherung über den künftigen Weg unterhalten, den unsere Gesellschaft gehen soll, so müssen wir die oben angeführten Punkte berücksichtigen. Sollten wir uns für ein Modell der Grundsicherung, oder sogar für das Grundeinkommen entscheiden, so wird sich vor allem bei dem Weg der Finanzierung entscheiden, ob wir die geschilderten Probleme in den Griff bekommen.

Folgende Fragen sollten wir uns in der Diskussion stellen:

  • Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Ausgestaltung eines Grundeinkommens bzw. einer Grundsicherung?
  • Kann ein/e Grundsicherung/Grundeinkommen, das über die Umsatzsteuer finanziert wird den bestehenden Problemen überhaupt gerecht werden?
  • Müssen nicht gezielt diejenigen stärker zur Kasse gebeten werden, die keine Kinder aber einen guten Beruf haben?
  • Wie verhält es sich mit dem Ehegattensplitting? Brauchen wir hier nicht auch ein moderneres Instrument im Steuersystem, das eine Begünstigung bei der Steuer nur dann möglich macht, wenn entweder Kinder, oder aber weitere nichtarbeitstätige Familienmitglieder von einem Einkommen mit unterhalten werden?
  • Kann – oder wird – die Zahl der nicht Arbeitstätigen nach Einführung der Grundsicherung bzw. des Grundeinkommens auf 30-40% ansteigen, damit das ursprüngliche Gleichgewicht wieder erreicht wird?
  • 11 Kommentare zu “Woher kommt unsere Arbeitslosigkeit?”

    1. Sabine Schlager

      Warum den unnötigen Umweg über die Kategorie Geschlecht.
      Die Thesen und Schlussfolgerungen kommen auch ohne Trennung in Frauenarbeit und Männerarbeit aus:
      1. Es gibt mehr Menschen, die Arbeit suchen, als bezahlte Arbeit nachgefragt wird (Egal ob Männer oder Frauen diese Arbeit nachfragen)
      2. Die Produktivität derjenigen, die Arbeit haben, ist so hoch, dass fast die Hälfte der produzierten Waren exportiert wird.
      2. Wer nicht mit Kindern lebt, hat mehr vom verdienten Geld für sich selbst zur Verfügung.
      Der lange Vorspann über die Frauenerwerbstätigkeit stellt- wenn auch nicht explizit – die Rückzug der Frauen aus der Erwerbsarbeit als mögliche Lösung in den Raum.
      Diese Lösung muss unabhängig davon gesucht werden, ob Männer oder Frauen Arbeit suchen.

    2. albert

      geehrte frau schlager,
      das sehe ich genau so. wieso sollte man menschen überhaupt in teilkategorien aufspalten und behaupten, die eine gruppe ist benachteiligt und die andere bevorzugt. genau so die auftielung in ältere menschen und jüngere? diese aufteilung möchte ich in zukunft nicht mehr denken, vor allem nicht, wenn es um das bedingungslose grundeinkommen geht.

    3. Christoph Bader (Landesvorstand, KV Schwäbisch-Gmünd)

      In meinem Beitrag habe ich nicht zwischen Frauen- und Männerarbeit unterschieden, sondern lediglich die Auswirkungen der zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen in den letzten 50 Jahren beschrieben. Natürlich lässt sich das auch viel kürzer formulieren, ob es dann aber jedem verständlich ist wage ich zu bezweifeln.

      Wenn in meinem Beitrag der Rückzug der Frauen aus der Erwerbsarbeit als mögliche Lösung gesehen werden kann, habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt. Genau so wie den Rückzug der Frauen könnte man ja auch den Rückzug der Männer aus der Erwerbsarbeit als mögliche Lösung ins Auge fassen. Was ich verdeutlichen wollte ist, dass weder der eine, noch der andere Weg vernünftig ist.

      Vielleicht muss auch folgender Satz von mir noch etwas präzisiert werden: “Diese Entwicklung ist gut so und von uns im Prinzip auch so gewollt.”
      Generell begrüße ich es, wenn in einer Familie beide Partner berufstätig sein wollen und die auch können. Entscheiden sie allerdings, dass nur ein Partner einer Arbeit nachgeht (egal ob Frau oder Mann) und der andere zu Hause bleibt, so muss auch dies möglich sein.
      Unabhängig von der Frage wer schließlich welchen Part übernimmt, gibt es heute viele Familien, in denen es nicht auf Dauer möglich ist, das nur ein Partner berufstätig ist, weil dann einfach das Geld nicht mehr ausreicht. Diese Zwangssituation kann ich nicht gut heißen.

      Was die Aufteilung der Menschen in bestimmte Kategorien betrifft finde ich, dass wir nicht ganz ohne auskommen werden, wenn wir die Ist-Situation analysieren. Es gibt nun mal Arbeitslose und Menschen mit Arbeit. Es gibt Leute, die Profitieren von unserem System und es gibt Leute die haben darunter zu leiden.
      Das wir von der extremen Aufteilung der Menschen in Mann und Frau in den letzten Jahren weg gekommen sind ist bereits ein Fortschritt. Wenn es uns nun gelingt auch noch von der Aufteilung Arbeitende und Arbeitslose weg zu kommen wäre das doch toll. Wie gesagt momentan sind wir leider noch nicht so weit.

    4. Wolfgang (KV Esslingen)

      Ich finde, die Rechnung von Christoph hinkt gewaltig, da sie (mindestens) zwei wesentliche Faktoren nicht berücksichtigt.
      Dies ist zum einen die gesteigerte Produktivität. Um bei dem Beispiel von Christoph zu bleiben: Heute setzt sich der Bauer auf seinen modernen Ackerschlepper und pflügt an einem Tag eine Fläche, für die er, seine Frau, seine Kinder, sowie sämtliche Nachbarn vor 50 Jahren mindestens eine Woche benötigt hätten. Gegenüber der Produktivitätssteigerung ist der Faktor, dass heute Frauen und Männer arbeiten, fast zu vernachlässigen.

      Gleichzeitig wird überhaupt nicht erwähnt, dass es auch jede Menge neue Produkte gibt, die es vor 50 Jahren noch nicht gab. Pc´s, Handy´s, DVD-Player, … Die Liste ließe sich quasi endlos fortsetzen. Das kann man doch nicht einfach vernachlässigen.

      Ich sehe den Hauptgrund für die Arbeitslosigkeit darin, dass wir für gering qualifizierte Menschen zu wenig Arbeit haben. Einfache Tätigkeiten erledigt heute der Kollege Roboter schneller, präziser und kostengünstiger. Und wir kaufen lieber im kostengünstigen Discounter und nehmen uns die Waren selber aus dem Regal statt uns in einem kleinen Laden bedienen zu lassen.

      Für (hoch-)qualifizierte Frauen und Männer, beispielsweise in der Elektrotechnik und im Maschinenbau, gibt es genügend Stellen. Hier zeichnet sich sogar ab, dass durch viele unbesetzte Stellen, für die die Unternehmen keine geeigneten Bewerberinnen oder Bewerber finden können, noch mehr Stellen im Bereich der geringer qualifizierten Menschen wegfallen.

    5. albert

      sehr geehrter herr bader,
      ich schätze ihr engagement bezogen auf die sozialfrage. entschuldigen sie bitte aber, wenn ich ihrer umverteilungslogik nicht zustimme. ihre logik stammt aus einer mangelgesellschaft. einer gesellschaft, die mit sehr geringen ressourcen wirtschaften musste. wir dagegen, leben inzwischen in einer überflussgesellschaft. und während in ihrem beispiel wieder eine menschengruppe aufgefordert wird, sich mit einer anderen menschengruppe um gerechtigkeit zu streiten und dem einen was wegzunehmen, gönne ich jeder dieser menschengruppe ihr recht nicht nur auf existenz, sondern auch auf gesellschaftliche teilhabe auf hohem niveau. man bemerke, dabei geht es nicht um träumerischen luxus sondern um eine ökonomische situation, aus der heraus ein jeder mensch in ökonomischer, kultureller und sozialer hinsicht aktiv werden könnte und somit entweder zum wohle der allgemeinheit oder zum wohle nur seiner selbst seinen beitrag leisten könnte. inzwischen wissen wir, dass dies volkswirtschaftlich durchaus möglich ist. wir wissen auch, dass genau die verwaltungsbürokratie, die für gerechtigkeit auf einem sehr, sehr niedrigem niveau sorgen sollte (staatliche umverteilung), sehr unökonomisch ist und einen großen anteil an dem geld auffrißt, der für sozialleistungen vorgesehen war. ich plädieren nicht für eine umverteilung auf niedrigem niveau oder eine subvention von strukturen. ich plädiere für eine investition in den menschen.

    6. Christoph Bader (Landesvorstand, KV Schwäbisch-Gmünd)

      Den Vorwurf ich hätte längst nicht alle Faktoren berücksichtigt lasse ich mir gerne gefallen. Allerdings führst du genau den Grund selbt mit an, weshalb ich die gesteigerte Produktivität nicht mit berücksichtigt habe.

      Die zunehmende Komplexität unserer Produkte, von Unterhaltungselektronik über Autos bis hin zu den Arbeitsgeräten des Landwirts führt zu neuer Arbeit im Bereich Informationsverarbeitung und Bewältigung von Komplexität. Ohne gesteigerte Produktivität könnten wir viele Produkte erst gar nicht herstellen. Was wir an Produktivitätsgewinnen haben geht durch zusätzlichen Aufwand für die Komplexitätsbewältigung wieder verloren. Schließlich leben wir heute nicht mehr nur von dem was auf dem Feld wächst, sondern haben deutlich gesteigerte Lebensansprüche.

      Um beim Landwirt zu bleiben:
      Heute produziert er zwar mehr als das 10-fache im Vergleich zu 1950, die ganze Industrie, die dahinter steht wird aber oft vergessen, Hersteller von Landmaschinen, Landmaschinenmechaniker, Lieferanten von Treibstoff,…

    7. Stefan

      Wie du das vom Eintritt der Frauen in die Arbeitsgesellschaft her aufdröselst, finde ich ziemlich merkwürdig … für mich klang das auch so, na ja, wenn die Frauen mal dort geblieben wären … hätten wir heute keine Arbeitslosigkeit …
      (haste vielleicht nicht so gemeint, klang aber in etwa so)

      Die Gründe und die Notwendigkeiten für ein Grundeinkommen, sind doch ganz woanders zu suchen.

      Bleib doch mal bei Dir:
      Findest Du Deinen Weg in die Gesellschaft heute noch ohne weiteres, wenn ja ist alles ok und wir vergessen diese Diskussion.
      Findest Du diesen Platz nicht mehr, sei es durch das zu bewirtschaftende Stück Land, Deine Mutter oder durch den Vater, durch die Traditionen Deiner Familie, oder durch die intuitive Wahl, muß etwas geschehen.

      Die Gesellschaft hat Methoden entwickelt die Leute so zu verteilen, damit die nötigen Jobs bedient werden können, damit die Wirtschaft läuft ohne viel Rücksicht darauf, ob die Arbeit auch mit dem/derjenigen gut tut.
      Das geht so lange gut, bis diese Jobs wegfallen und die Leute dastehen mit langen Gesichtern. Die natürlichen Bindungen der Menschen zu “Ihrer” Arbeit sind gekappt. So ist es in etwa heute. Also müssen wir den Menschen ermöglichen diese Arbeit wiederzufinden, ohne Zwang und Druck, damit sich diese Stränge neu verketten und jeder “Seinen” Ort findet.

      Ich behaupte aber noch mehr: Geht es wirklich um das Problem der Arbeitslosigkeit? Ich behaupte nein, sie ist nur der Auslöser, der bei uns das Fass zum überlaufen bringt. Es geht meiner Meinung nach um den Sinn der Arbeit.

      Nimm mal die Schweiz. Dort gibt es praktisch keine Arbeitslosigkeit (heute um die 4%) aber die Diskussion um ein Grundeinkommen ist bald so groß wie bei uns, und warum … natürlich angestossen durch den Diskurs in Deutschland und Österreich, aber vor allem weil die Leute aufwachen, da es auch um die richtige Verteilung und um Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit geht. Die Ängste und der Druck nehmen natürlich auch in der Schweiz zu, wenn auch nicht wirklich durch den Arbeitsmarkt begründet, wenn ständig von Hartz IV etc. zu lesen ist …
      Hier wie dort gehen immer weniger Menschen nicht der Arbeit nach, die ihnen wirklich entspricht und so breitet sich eine Unzufriedenheit aus. Das, was Du gerne tun möchtest kannst Du nicht, da dieser Arbeitort schon besetzt ist durch andere. Gezwungenermaßen weicht man dann in weniger befriedigende Bereiche aus. Jobs gibt es ja in der Schweiz noch in Hülle und Fülle, nur ob die auch jedem Menschen entsprechen steht auf einem anderen Blatt.
      Dann kommt dazu, dass die Arbeit hier wie dort zu teuer ist. In Bereichen wo Menschen wertvoll sind und immer mehr gebraucht werden (Kultur, Sozialbereich, Landwirtschaft) kann man diese kaum bezahlen, weil keine oder zu geringe Gewinne erwirtschaftet werden (können) folglich werden dort auch immer weniger beschäftigt, ob wohl Mangel herrscht.

      Daraus folgt: bedingungsloses Grundeinkommen einführen, Arbeit kann sich verbilligen durch zusätzliches runterfahren der Einkommenssteuern, Verbrauchssteuern erhöhen (wirkt nachhaltig und ökologisch).
      Wenn wir dem Menschen und dem natürlichen Prozess vertrauen, können sich die Strukturen frei ohne Zwang und Angst reorganisieren und austarieren.

    8. albert

      geehrter wolfgang,
      du hast vollkommen recht. produktivitätssteigerung und innovationen haben dafür gesorgt, dass man für die produktion immer weniger den menschen braucht. deiner impliziten behauptung jedoch, die teillösung läge darin, dass man menschen besser und gezielter qualifizieren sollte, widerspreche ich jedoch wehement. auch wenn das vielleicht absurd klingen mag, aber heutzutage wird gerade im namen der qualifikation und damit der bildung eine ausbeutung der menschen legitimiert, die gerade das bildungssytem verlassen. großteil der jungen menschen macht gerade die erfahrung, dass sie anscheinend falsche qualifikation erworben haben muss, obwohl sie so gut ausgebildet sind, wie nie zuvor. es sind generationen, denen die gesellschaft siganlisiert, dass man sie nicht braucht. teile der wirtschaft nutzen die situation des überangebots auf dem arbeitsmarkt im zusammenhang mit der argumentation der “falschen qualifikation” aus. daher ist bildung als politische maßnahme nicht aureichend und unter heutigen zuständen sogar oft kontraproduktiv.

    9. Till Westermayer (KV Breisgau-Hochschwarzwald)

      Christoph,

      Die zunehmende Komplexität unserer Produkte, von Unterhaltungselektronik über Autos bis hin zu den Arbeitsgeräten des Landwirts führt zu neuer Arbeit im Bereich Informationsverarbeitung und Bewältigung von Komplexität. Ohne gesteigerte Produktivität könnten wir viele Produkte erst gar nicht herstellen. Was wir an Produktivitätsgewinnen haben geht durch zusätzlichen Aufwand für die Komplexitätsbewältigung wieder verloren. Schließlich leben wir heute nicht mehr nur von dem was auf dem Feld wächst, sondern haben deutlich gesteigerte Lebensansprüche.

      , soweit ich weiss, gibt es da zumindest unterschiedliche Interpretationen. Selbst wenn ein Teil des Produktivitätszuwaches aufgefressen wird (und mal ignoriert wird, dass die Weltwirtschaft global verflochten ist), bleibt nach meinem Kenntnisstand doch genügend übrig, um das klassische Erwerbsarbeitsmodell erheblich zu erschüttern. Und neben gestiegener Erwerbsbeteiligung, Produktivitätszuwachs, Globalisierung gibt es auch noch qualitative Veränderungen der Arbeit (z.B. ganz unterschiedliche Entwicklungen, je nachdem, ob “SystemanalytikerInnen” (also z.B. ManagerInnen oder WissenschaftlerInnen) betrachtet werden oder unqualifizierte Jobs). Ob für letzteres die gerne gehörte Forderung nach “mehr Bildung” reicht, bleibt für mich fragwürdig.

    10. Volkmar, KV Schweinfurt

      Interessanter Aspekt!
      Auch wenn hier geschlechterspezifisch Schwarz-Weiss gemalt wird, ist das Beispiel sehr anschaulich. Oder auch gerade deswegen.
      Letzten Endes ist es egal, welcher Partner sich staerker beruflich beschraenkt um fuer die Kinder da zu sein. Faktisch ist es halt so, dass es in unserer momentanen Gesellschaft hauptsaechlich die Frauen sind. Und das wird sich nur langsam aendern. Aber es aendert sich.

    11. albert

      ich verstehe nicht, wieso man menschen in teilgruppen aufteilt und der einen gruppe sagt, sie soll im namen der gerechtigkeit der anderen gruppe was wegnehmen? genau darum darf es nicht gehen. das sind politische paradigmen, die aus der vergangenheit stammen. ein echtes bedingungsloses grundeinkommen versorgt JEDEN so gut, dass er auf keine andere gruppe neidisch sein muss. das ist kein idealismus, das ist eine realistische volkswirtschaftiche alternative.

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